Kurt Tucholsky hat einmal gesagt:
Schade dass man Wein nicht streicheln kann!
Hat er mit diesem Zitat recht?
Nun, wenn jemand eine Flasche aus dem Keller holt, dann hält er diese nicht despektierlich am Hals fest, sondern er unterlegt zärtlich stützend seinen Arm. Dadurch wird die Sicherheit beim Transport größer, aber zusätzlich entsteht auch ein einzigartiges "Wine-Baby-Feeling".
Doch lassen wir das Transportieren, beginnen wir mit dem Genießen. Welch herrliche Erfrischung einem ein Dom Pérignon im richtigen Moment verleiht? Wie viel Anmut kann Mann / Frau von einem reifen Bordeaux erwarten? Wie viel Charakter steckt in einem großen Cabernet? Welche Zärtlichkeit vermittelt ein reifer Lafite aus einem kleineren Jahr? Generell die verschwenderische Erotik, welcher ein Pauillac ausstrahlen kann? Das Feuer, welches ein gut gereifter Italiener versprüht? Und das Glücksgefühl eines Schlucks Sauternes? Wein kann noch vielmehr....
Die Worte, die in einer Degustationsnotiz (Tasting Note) integriert sind und die daraus abgeleiteten Punkte sowie die mögliche Berechnung einer Genussphase, der Jahrgang und die generelle Bezeichnung des Weines sind wohl reine Fakten, für jedermann lesbar und für die meisten verständlich. Was sich dahinter als möglicher Genuss und sensationelle Empfindung verbirgt, muss jedoch jeder Weinfreund selber regeln. Und je besser man es kann, desto mehr könnte letztendlich das Gefühl aufkommen, dass man einen Wein eben nicht nur getrunken, sondern ihn vorher auch noch zärtlich gestreichelt hat.
So gesehen, liebe Leserinnen und Leser, kann man einen Wein streicheln.
Und so fing bei mir alles an ....
... viel Spass auf meiner Page!
Christopher J. Bünzli