Einige Wissensfakten und Fragen meinerseits, welche den einen oder anderen überraschen werden.
Korken:
Plastikkorken – die Alternativen zu den klassischen Korken – sind nicht elastisch. Das bedeutet, dass sie sich „nur an den Flaschenhals“ anschmiegen und somit nach einigen Jahren am Hals auch keinen Druck mehr machen. Sie sind daher von der Spannung her gesehen, nicht ideale Luftisolatoren. Es sind Drehverschlüsse vorzuziehen! Im Bordeaux sind bereits die ersten Châteaux daran ihre Zweitweine mit solchen Drehverschlüssen auszustatten. Stellen Sie sich also darauf ein, dass das in den kommenden Jahren zum Standard wird.
Vorteile: Der Wein wird nie Kork haben. Falls man sich jetzt das Gegenargument ausgedacht hat, dass man dann ja eine andere Flasche aufmachen kann, hier meine Replik: Was, wenn es sich um eine Flasche 1997 Petrus handelt?
Spätestens dann sind Sie auch für Drehverschlüsse.
Ein Rebblatt erbringt bei voller Besonnung 100 % Leistung. Wird ein Blatt von einem anderen Blatt bedeckt („beschattet“), dann erbringt es noch knapp 20% Leistung. Ist ein Blatt total hinter einem anderen Blatt, dann hat es noch eine 2 prozentige Leistung. Wie heissen aufgrund dieser Tatsache in Kalifornien die Rebbauern auch noch:
1. Winegrower
2. Wine dresser
3. Leaf Manager
Antwort: Leaf Manager.
So und nun fangen wir mit den seriösen Fragen an. Die Antwort unter der ersten Frage ist Nonsens, kalifornische Weinbauern sind keine Leaf Manager. Das ist mir nur so in den Sinn gekommen, weil man ja in unseren Graden gerne Berufstitel anglisiert, weil's besser tönt.
Ab jetzt geht’s ernst zu und her: Hier die Fragen!
Wie heisst die weltweit am meisten angebaute Weissweintraubensorte?
Wenn Sie jetzt nicht Airén gesagt haben, lagen Sie falsch!
Wie reift Wein in der Flasche:
1. Er gärt natürlich weiter
2. Er altert wegen des Lichtes, welches er abbekommt
3. Er altert wegen der eingeschlossenen Luftblase
Antwort: Er reift über die eingeschlossene Luftblase.
Sollte der Füllstand bei einem Wein nach jahrzehntelanger Lagerung gesunken sein, was ist dann nicht in Ordnung?
1. Der Korken war nicht dicht
2. Es handelt sich dabei um einen natürlichen Verlustprozess, den jeder Wein durchmacht
Erste Antwort ist richtig. Solche Weine „südern“ vorne und hinterlassen eine harzige, klebrige Mixtur an der Aussenseite der Flaschenöffnung. 8-ung: Das heisst nicht, dass der Wein nun oxidiert ist!
Was ist das Depot im Wein genau?
1. Zu viel Gerbstoff und Tanin im Wein, welches sich setzt
2. Farbstoffablagerungen, welche durch das Altern des Weines zustande kommen (der sogenannte Orange-Reflex bei alten Weinen)
Lösung: Erste Antwort ist richtig.
Woran erkenne ich bei einer nicht geöffneten, 25-jährigen Flasche, ob der Wein noch trinkbar ist?
1. Intensität der Orange-Reflexe
2. Das Depot ist flockig
3. Das Depot ist sandig
Antwort: Der Orange-Reflex sagt nur etwas über das Alter des Weines aus. Diesen kann ich sehen, wenn ich den Flaschenhals gegen eine Lichtquelle halte. Sandiges Depot ist gutes Depot, flockiges Depot heisst, dass der Wein vorbei ist.
Im Jahre 2003 war es sehr heiss. Die Rebe kommt dann in den Zustand des sogenannten „Trockenstresses“. Was macht die Rebe dann?
1. Sie stellt die Traubenproduktion gänzlich ein und behält das Wasser für sich selbst zurück (natürlicher Überlebenstrieb der Rebe)
2. Sie produziert weniger Trauben
3. Sie geht mit ihren Wurzeln tiefer ins Erdinnere, um an Wasser zu kommen?
Antwort: Eins ist richtig, wenn der Trockenstress extrem lange andauert, zwei ist richtig, wenn bestimmte Monate sehr heiss sind. Die Rebe konzentriert sich also immer auf ihr Überleben. Daher haben heisse Jahrgänge weniger Ertrag als regenreiche Jahrgänge. Womit auch dem Vorurteil entgegnet ist, dass heisse Jahrgänge viel Ertrag bringen müssen, weil das für das Wachstum der Rebe gut sein soll.
Bewässern der Reben:
Sind die Reben im Trockenstress, muss der Winzer - wenn erlaubt - bewässern. Wie viel Wasser soll er dabei in den Weinberg spritzen?
1. Viel, damit sich die Rebstöcke richtig „voll laufen lassen“ können
2. Wenig, damit das Wurzelwerk nicht zu faulen anfängt
3. Nur so viel, dass die Rebe überlebt
Letzte Antwort ist richtig
Grund: Wenn es zu viel Wasser im Rebberg hat, dann muss man ihn wieder entwässern. Ein Produzent im Paulliac im Bordeaux hatte ein solches Problem. Wie löste er es damals?
1. Er beheizte den Rebberg
2. Er stellte eine Windmaschine vor jede Rebstock-Strasse und belüftete die Reben
2. Er flog 1 Woche lang mit dem Helikopter den Rebberg rauf und runter, damit das Wasser von den Blättern geblasen wurde
Lösung: Nummer 3 ist richtig.
Der Winzer wurde übrigens auch von der lokalen Weinproduktions-Aufsichtskommission aufgeboten um sich zu erklären. Die Nachbarn hatten sich ab dem täglichen Geknatter der Rotorenblätter nervend gefragt, was der Winzer da macht. Vor Gericht argumentierte er, er habe sich die Weintrauben aus der Luft anschauen wollen. Das Gericht konnte eine absichtliche Trocknung und damit einen Eingriff in den natürlichen Ablauf im Rebberg nicht schlüssig beweisen. Er wurde freigesprochen. Und wenn man nicht mit einem Helikopter trocknet, dann beheizt man den Rebberg mit Ölofen. Das entspricht der klassischen Version der Trocknung.
Das Veredeln von Weinen geschieht in letzter Zeit immer häufiger über die sogenannten Holzschnitzel, welche man dem Wein beigibt. Wie werden solche Holzschnitzel, welche nach Vanille, getoastetem Brot, Kaffee etc. riechen, produziert?
1. Man macht in einem Fass ein Feuerchen und verbrennt im Fass anderes Holz, welches dann einen der oben genannten Geschmäcker annimmt
2. Man parfümiert die Holzschnitzel mit der entsprechend industriell hergestellten Essenz
3. Die Holzschnitzel riechen von Natur aus schon so
Antwort: Man macht ein Feuerchen in einem Fass und toasted die Schnitzel dann.
Auf einer Flaschenetikette steht:
Cabernet Maipo Valley „Reserve“, Vina Carmen, Chile
Was heisst „Reserve“ hier?
1. Mindestens 3 Jahre Fasslagerung
2. Bestimmte, speziell reservierte Traubenstöcke sind für diesen Wein verantwortlich
3. Gar nichts
Antwort: Es heisst gar nichts.
In der neuen Welt kann man hinschreiben, was man will. In der alten Welt sind die Begriffsbezeichnungen genau geregelt, daher darf ein Spanier „Reserve“ nur dann schreiben, wenn er bestimmte Produktionsverarbeitungsprozesse erfüllt. In der neuen Welt könnte man also auch „Super Reserve“ oder „Mega Reserve“ hinschreiben.
Wieso sind die Tanine in einem chilenischen Wein rund und weich, diejenigen aus dem Bordeaux hart und sandig?
1. Das Bodenklima ist dafür verantwortlich
2. Die Mineralität der Böden ist anders (Bordeaux hat sandigere Böden als Chile)
3. Die Hängedauer an den Rebstöcken zeichnet dafür verantwortlich
Antwort: Nummer 3 ist richtig.
Grund: In Chile kann der Winzer die Trauben bis zu 140 Tagen an den Stöcken hängen lassen. Im Bordeaux wird i.d.R. 40 Tage früher gelesen, daher sind die Trauben weniger „süss“ (zuckrig), was harte Tanine generiert.