Le Difese, ein Tartar, Oliver Canatar und seine Bottéga

Heute bin ich gerade aus Pfullendorf zurückgekehrt und habe meiner Partnerin gesagt: „Lass uns wieder mal zu Oliver in seine Bottéga gehen, da waren wir schon lange nicht mehr.“ Kurz darauf sitzen wir vor der just erwähnten Gaststätte und genehmigen uns etwas Alkoholisches zur Abkühlung. Da wir noch zu Nacht essen möchten, entscheiden wir uns in eben dieser Bottéga zu bleiben und studieren die Menükarte. Oliver Canatar – Inhaber der Bottéga – meint beim Tartar, als ich ihn frage, ob das denn auch gut sei: „Logisch, das ist das Beste Tartar der Welt!“ So bestelle ich dieses „Tartar Bottéga“ und mein Pendant für sich einen griechischen Salat. Gemäss Oliver „der Beste griechische Salat der Welt“, dazu eine Flasche Le Difese vom Weingut San Guido.
Es gibt hier – wenn Oliver herumbrüllt, dass das die weltbesten Menüs sind, die er da hinstellt - zwei Knackpunkte:

1. Meine breiten Weinkenntnisse und mein indiskutabler Anspruch, nur gute Weine zu konsumieren.
2. Meine verwöhnten Geschmacksnerven, die sehr schnell empfindlich reagieren, wenn etwas essensmässig nicht gut ist.
So und nun kommt’s knüppeldick! Vor mir steht das Tartar, im Glas funkelt der Le Difese 2007 für CHF 65.-- die Flasche und ich beginne mit dem Essen. Noch nie habe ich ein Tartar gegessen, welches in seiner Saftigkeit gemischt mit Worcestershire-Sauce und einer perfekt dosierten Portion Paprika so daherkommt. Mein Pendant meint derweil: „Dieser griechische Salat ist der absolute Hammer, Fettakäse nicht zu mastig, die Gewürzmischung ein Hochgenuss, schlichtweg: „Der beste von ihr je konsumierte griechische Salat“.
Es ist schon merkwürdig…. Da geht man immer in diese Gault Millau Restaurants und lässt sich dort kulinarisch verwöhnen.
Neu kann man das auch bei Oliver tun!


Zum Le Difese:
Ein Gemisch aus 80% Sangiovese und 20% Cabernet Sauvignon mit komplexer Struktur, einer langen Fetthülle, ein Wein den man zerfliessen lassen kann, in der Nase offen und fruchtig-intensiv mit herrlicher Sangiovese-Aromatik. Und wieso finde ich diesen Wein nun so speziell? Erstens weil er günstig ist und zweitens weil er von San Guido kommt, wo ja bekanntlich ein grosser Weinname damit verbunden wird. Sassicaia! Aber den kaufe ich (oder die Weinwelt) mittlerweilen eher zögerlich, da dieser „Supertoskaner“ zu teuer geworden ist für das, was er bietet. Beim Le Difese ist das nicht so. Und das Beste ist, dass man diesen Wein bei Oliver mit dem wahrlich weltbesten Tartar zu vernünftigen Preisen erhält. Zu alle dem kommt hinzu, dass Oliver das alles mit seiner Bottéga nicht macht, weil er damit um jeden Preis viel Geld verdienen will, der Mann macht das, weil er davon überzeugt ist, dass er etwas Gutes für seine Gäste tut!
Und was macht Oliver ganz zum Schluss, als ich noch einen Grappa haben will? Er stellt mir eine grosse bauchige Flasche von Bindellla hin und sagt: „Selbstbedienung!“
www.bottega-club.ch

Rulandské modré, Gitarrenklänge und ein Taxifahrer, der lieber ins Puff geht, als Umsatz zu machen

Karel, Christopher und Josey

Auf Einladung meines Kollegen Josey weile ich für einige Tage in der tschechischen Stadt Brod. Dies nachdem ich meinen alten Jugendfreund Andrej in Bratislava zum Nachtessen getroffen habe, wo sich nach dem Verzehr des T-Bone-Steaks im Restaurant Upsidedown (www.upsidedown.sk) folgendes ereignete. Ich bestelle einen Hennessy XO zwecks Verdauung des soeben gegessenen 1 Kilosteaks. Der Kellner kommt mit der Weinkarte und sagt, ich solle mir die Preise anschauen, bevor er mir den XO bringt. Etwas irritiert frage ich ihn, wieso ich das machen soll, worauf er meint: „Sie haben einen XO bestellt und der kostet bei uns 199.-- EUR“. Ich antworte: „Das ist ja wohl der Flaschenpreis“, worauf er meint: „Nein, das ist der Preis für 2 cl und sie haben einen doppelten XO gewünscht. Das wären dann 398 EUR.“ Perplex schaue ich am Kellner hoch: „Das kann nicht sein, dass ein XO 199.-- EUR kostet und schon gar nicht hier in der Slowakei“. Kellner: „Doch, dem ist so.“
Also schaue ich auf der Karte unter Hennessy nach und tatsächlich ist dort der Hennessy mit 199.-- EUR angeschrieben. Nachfrage meinerseits, was das für ein Wundergetränk ist, dass das so teuer ist (für den normalen Hennessy VSOP bezahlt man hier 6 EUR). Kellner: „Es handelt sich um „Hennessy Richard“, eine Assemblage aus den besten Bränden, die Hennessy über 8 Generationen gesammelt hat.“ Ferner erklärt mir der Kellner, dass hier eine Vermählung von mehr als hundert außergewöhnlichen Eaux-de-vie, die bis zu 200 Jahre gereift sind, vorliegt. Nun denn, das letzte Hemd hat keine Taschen, also werde ich mir diesen Luxus jetzt gönnen und bestelle mir einen Hennessy Richard (4 cl). Andächtig führe ich das Cognacglas zu meiner Nase und schon strömt mir eine unendliche Aromenvielfalt entgegen. Beispiellose Fülle an Noten wie Vanille, Gewürzen, Pfeffer, Tabak, Wald und Waldboden, derweil der Cognac mahagoni-farben im Glas funkelt. Ein wundervoller Moment!
Wo liegt nun das Problem? Die Einzelflasche kostet im Fachhandel in Deutschland so um die 1‘600 EUR. Für 0.7 Lt.

Doch zurück in die Tschechei, wo ich mit Josey einige Tage Ferien verbringe:
In Tschechien heissen Pinot Noir Rulandské modré und einen solchen Wein stellt mir der Onkel von Josey in seinem Garten, irgendwo in einem abgelegenen Waldstück - wo wir diesen Abend bei Grilladen verbringen werden - hin. Während Karel und Josey auf ihren Gitarren Musik machen, grillt Vlasta das Fleisch. Hier in Tschechien, das muss man wissen, sind die Menschen hochgradig sozialisiert. Nicht vom Sozialistischen, sondern wie sie Fremde bei sich begrüssen: Sehr herzlich, mit offenen Armen und wie wenn man ein Bestandteil der Familie wäre.
Nach der 4. Rulandské modré Flasche kommen dann noch ein paar Flaschen Syrah aus der Region. Ein bekömmlicher, guter Wein, schön, intakt, klassische Syrahnase mit kräftigem Johannisbeer-Aroma.
Und so gegen halb ein Uhr morgens stelle ich mit müden Augen fest: „Was wir da heute Abend alles an Wein weg gehauen haben, unglaublich!“ Als ich dann ein Taxi haben möchte, welches uns wieder nach Hause fährt meint Karel stoisch: „Ich rufe mal einen Taxidienst in Brod an, vielleicht kommt ja noch einer.“ Bei mir macht sich ab solchen Bemerkungen jeweils Nervosität breit, ich gehöre nicht zu den Menschen, die ruhig bleiben, wenn ich weiss, dass ich am nächsten Morgen um 9 Uhr wieder aus den Federn muss um an den Flughafen zu kommen und nun hier irgendwo in einem Waldstück festsitzen könnte. Karel ruft also einen Taxidienst an.
Der Fahrer versichert, dass er in 10 Minuten vor dem Gartentor stehen wird. Kurz nach dem Anruf surrt das Natel von Karel und es ist ein neues SMS gekommen. Dort steht folgender - vom Taxifahrer geschriebener - Text: „Habe andere Kundschaft, die wollen ins Puff. Ich bleibe auch dort. Rufen Sie XYZ unter der Telefonnummer so und so an.“


Fazit:

Der andere Taxifahrer kam dann auch. Und mir ist bewusst geworden, dass man im Leben die Dinge manchmal etwas ruhiger angehen sollte. Auch um halb ein Uhr morgens, irgendwo in Tschechien.

Was haben Roger Federer, Luigi Zanini und Balin gemeinsam?

Wir schreiben das Jahr 2010 und der Sommer hat sich folgendermassen abgespielt: Entweder war es brandheiss, also über 30 Grad oder es regnete in Strömen. Vom Frühling war nicht viel zu spüren und der Herbst dürfte sich auch nur kurz zeigen. Klimaforscher warnen seit kurzer Zeit über die voranschreitende Klimaerwärmung und alle reden von CO2 Reduktion, aber die wenigstens machen etwas dagegen. Daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen. Gewöhnen werde ich mich aber nicht müssen an Abende, wo ich auf meiner Terrasse unter dem Sonnensegel sitze - bei angenehmen 22 Grad Celsius - und zum Abendessen bei Tomaten Büffelmozzarella Salat, Pata Negra Schinken und einer ausgewählten Selection Rolf Beeler Käse (u.a. von Willi Schmid aus Lichtensteig) zwei Flaschen ganz spezieller Weine konsumiere. Es sind dies: 2006 Castello Luigi, Rosso del Ticino, von Zanini und der 2006 Merlot Balin von Cantina Barbara Kopp von der Crone.

Zanini: Aristokratisches Gewächs, rubin-purpur-farben. Tiefgründige, rote Johannisbeeren mit enorm stoffigem Gaumen. Ein kleines Konzentrationswunder mit Balance und Harmonie - wie bei einem grossen Margaux! Schöne, feine lederne Nuancen.
Das hier abgelieferte Winemaking ist an eine Perfektion grenzend, da schnüffelt Bünzli gerne stundenlang am Glas herum und vergisst dabei hin und wieder fast dem Gast zu zuhören. Hinzu kommt ein langes Finale, das die grandiose Lagerfähigkeit dieses Merlots demonstriert.

Balin: Die Ouvertüre fällt aus wie der erste Kopfsatz von Ludwig van Beethoven’s Symphonie Nr. 5. „Mächtig, wuchtig, genial“. Man erstarrt fast in Ehrfurcht ab der Potenz die einem aus dem Glas entgegen strömt. 18 Monate Fasslagerung tragen ihres dazu bei, dass hier ein bombastisches Holzmanagement nasal im Vordergrund steht. Nase: Würzig, beerige Aromen, schwarze Kirschen, schwarze Schokolade. Ein Senkrechtstarter wie im Bilderbuch! Sehr großes Potenzial und eine außerordentliche Länge.

Und nun die Antwort zur im Titel gestellten Frage:
Was haben Roger Federer, Luigi Zanini und Balin gemeinsam?

Sie sind alle perfekte Meister ihres Faches!


Käse Rolf Beeler: www.rolfbeeler.ch

Der Lenzburger Hirschen

Schloss Lenzburg

Wir sind auf Schloss Lenzburg zur Hochzeit meines Freundes Alain und seiner angehenden Frau Graziella eingeladen. Als wir uns in Lenzburg einfinden, schlendere ich mit meinem Pendant durch die Altstadt und suche ein Restaurant, wo ich essen gehen möchte. Ein Eckhaus mitten in der Altstadt sticht mir dabei ins Auge, genauer: Eine Plakette an der Hauswand beim Eingang. Es ist die Plakette mit den roten Gault Millau Kochhauben. Und wie der Zufall es will, kommt gerade der Koch aus dem Restaurant und ich rufe ihm über die Strasse zu: „Ich sehe, dass Sie GM Punkte haben!“ Der Koch zurück: „Ein paar wenige“, worauf ich wissen will: „Und in Zahlen sind das wie viele?“ Er: „13!“. Ich: „Dann esse ich heute Abend bei ihnen. Bis nachher!“
Am Abend finden wir uns im Hirschen ein und werden äusserst freundlich begrüsst. Ich entscheide mich das Mund Art Hirschen Menue zu nehmen. Dieses besteht aus folgenden Gängen:

1. Gang: Marinierter Fisch mit Avokadotatar und Basilikumtomaten

2. Gang: Hummersuppe mit Cognac und gebratener Riesenkrevette

3. Gang: Hausgemachte Tagliatelle mit sautierten frischen Eierschwämmen

4. Gang: Sommerliches Rindsfilet mit einem Hauch von exotisch zubereitetem Gemüsebeet und neuen Kartoffeln

Zu Gang 1 bis 3 genehmige ich mir einen Pinot Grigio. Zum Rindsfilet dann einen Rioja vom Weingut Alcorta. Im Glas schillert ein tiefes Kirschrot und in der Nase bestechen herrlich klare Barriquenoten, fein und perfekt abgestimmt mit den typischen Fruchtaromen der Tempranillo-Traube. Im Gaumen rund, sehr harmonisch mit feingliedrigen Tanninen. Komplexer, langer Abgang. Eher auf der wuchtigen als auf der nervigen Seite.

Und da war noch dieser Wein, den wir vor der Trauung tranken in der Laube des Hotels Krone. Den José Pariente aus der Region Rueda in Spanien. Vinifiziert wird dieser Wein aus der Verdejotraube, welche im Gaumen wie eine Grapefruittlawine angerollt kommt. Schlicht ein explosives, komplexes und frisches Bouquet von Zitrus und tropischen Früchten und dazu noch ziemlich quirlig. Wird der Wein nicht geschwenkt, dann tendiert er zu schweissigen Noten. Der Wein liegt tief in der Säure, sehr tief. Etwas ganz spezielles, das ich in meinem Keller haben muss.

Fazit zweier Tage in Lenzburg:

Es gibt Leute die können alles, aber nichts richtig. Und die schrauben dann zum Beispiel an einer Elektrodose herum und haben plötzlich gekrauste Haare. Und es gibt Leute (in diesem Fall ein Winzer), die können nicht alles, das dafür dann aber richtig. Zu denen gehört der Winzer der Bodegas José Pariente.

www.hirschen-lenzburg.ch

Die Weinhalde – ein Hammer auf allen Ebenen!

Ich reserviere relativ spontan in der Weinhalde Jona in Kempraten einen Tisch. Vor drei Wochen habe ich schon hier gegessen, damals drinnen. Der Abend ist mir aber nicht so in Erinnerung geblieben wie dieser, den ich hier nun beschreibe.
Auf der Terrasse setzen wir uns hin und wir kriegen die Speisekarte in die Hand gedrückt. Ich bestelle das Spezial Menü und will dazu eine Flasche Santagostino Rosso vom Weingut Firriato haben. Frau Pfiffner meint dazu kurz und bündig: „Nein“! Ich zurück: „Und wieso nein?“ Frau Pfiffner: „Weil Sie unter anderem im Auftakt eine Bouillabaisse haben und dazu passt Santagostino nicht.“
Stattdessen empfiehlt sie ohne wenn und aber eine Scheurebe aus Nuolen. Eine Scheurebe aus Nuolen, also „vo enet am See“? denke ich mir. Gut, probieren wir das einmal. Der Wein steht vor mir im Glas, ich verkoste. In der Nase Zitrus, Zitronenmelisse, dominierender Hinterton von pink Grapefruit, straffe appetitliche Säure, perfekte Scheureben-Stilistik (=lieblich und leicht süss) und das ganze untermauert mit einer breiten, eleganten Struktur. Eine Weinbombe wie aus dem Bilderbuch!
Irgendwann zwischen Vorspeise und Hauptgang komme ich dann aber mit etwas nicht ganz klar. Auf der Homepage der Weinhalde steht, als ich dort einmal nachschaute, dass sie im Gilde Verband Mitglied sind. Von Gault Millau habe ich dort aber nichts gelesen. Und da stimmt irgendwie etwas nicht, denn das Essen ist „Gault Millau-verdächtig“ angerichtet und auch so gekocht. Also frage ich nach, wieso das Restaurant keine GM Punkte hat. Und jetzt kommts ganz dick…. Frau Pfiffner sagt mir folgendes: „Wir haben schon Punkte. Dreizehn. Aber damit muss man nicht angeben.“
Tiefstapeln ist hier anscheinend das Motto und das macht gerade nochmals ganz gewaltig Eindruck! Jedes andere Restaurant hätte genau DAS als Aufhänger, um Gäste ins Lokal zu bringen. Nicht so aber bei Pfiffners. Die haben das nicht nötig und das unbestritten und absolut zu Recht.
Und während ich das hervorragend gekochte Essen zu mir nehme bemerke ich, dass ein Mann - diagonal von uns sitzend - immer wieder zu uns rüber schaut und meine Kommentare zur Scheurebe zur Kenntnis zu nehmen scheint. Und dann passiert folgendes: Bei den Lammracks – wo ich seit langem wieder einmal einen Almaviva 2007 trinke - kommt Frau Pfiffner zu mir und sagt: „Dort (sie zeigt auf den Herrn, welcher immer wieder zu uns rübergeschaut hat) sitzt der Winzer der Scheurebe!“ Ich: „Wer sitzt dort?“ Frau Pfiffner: „Der Winzer der Scheurebe!“
Sprachlos und ehrfürchtig stehe ich auf, gehe zu besagtem Herrn und wir kommen ins Gespräch. Ein flotter Typ, der hat nicht nur im Weinberg etwas drauf, auch sonst kommt einem Herr Bamert sehr sympathisch rüber, wie auch seine Frau, welche ebenfalls am Tisch sitzt. Ich setze mich wieder an unseren Tisch und verarbeite soeben aufgenommene Eindrücke und bestelle mir dazu einen Hennessy XO. Was hier bleibt sind Wouw Erlebnisse bezüglich dem Essen und ein Wouw Erlebnis bezüglich der Scheurebe, zumal ich den Winzer an diesem Abend habe kennen lernen dürfen.
Conclusio:
Auf der Homepage der Weinhalde steht: „Ob im Wyhalde-Stübli mit 24 Plätzen oder im heimeligen Rebhalden-Stübli mit seinen 24 Plätzen – Sie werden sich bei uns wohlfühlen.“
Das haben wir allerdings getan. Die Weiterempfehlungen sind garantiert!
Schlussconclusio:

Die Weinhalde – ein Hammer auf allen Ebenen! 

www.weinhalde.ch

Schon einmal diesen Wein im Glas gehabt? Oder im Becher? Wie Liselotte R.?

Gemäss Liselotte R. kann man "rustikale Weine" auch aus einem Becher trinken, anstatt in einem Stielglas!

Heute gelesen in der Coopzeitung vom 14. September 2010, Ausgabe Nummer 37, wo es um einen Artikel zum Thema ging – der in der vorherigen Ausgabe erschienen ist: „Darf es ein Glas mehr sein?“, womit gemeint war: „Welches Glas passt zu welchem Wein am Besten respektive in welchem Glas entfaltet sich ein Wein am Optimalsten?“
In einem Leserbrief schrieb dann eine gewisse Liselotte R. auf den besagten Artikel folgendes:
„Wer schon mal im Süden in den Ferien war, hat bestimmt schon festgestellt, dass in rustikalen (=Wortwahl der Leserbriefschreiberin) Beizen (=ebenfalls Wortwahl der Leserbriefschreiberin) der Wein nicht aus Weingläsern mit Stiel serviert wird, sondern aus kleinen Bechern. Schmeckt deswegen der Hauswein schlechter? Nie und nimmer! Gerade der einfache, normale Wein muss nicht immer sti(e)lvoll serviert werden!“


Meine Antwort darauf:

Liebe Liselotte R.,

1. Wieso hat Riedel in seinem Sortiment so viele Gläservarianten zur Verfügung, wenn man den Wein auch aus einem Becher (Frage: „Meinen Sie eventuell mit Becher auch Papbecher“) getrunken werden kann?
2. Um Becher - welcher Machart auch immer - zu sparen und die Umwelt zu schonen, können Sie ihre „einfachen, rustikalen Hausweine“ ja auch aus einem Tetrapack trinken, denn das schont die Umwelt (weil keine Becher produziert und auch nicht gewaschen werden müssen) und der Wein schmeckt ja gemäss Ihrer Interpretation sowieso nicht anders. Und der ganze Schabernack mit dem Belüften von Weinen und Dekantieren muss auch nicht unbedingt sein, oder? Das machen Weinliebhaber nur, um bei den Gästen mehr Eindruck zu schinden …
3. Ferner scheint Liselotte R. nur „Hauswein“ in „rustikalen Beizen“ zu konsumieren…. Was sich einem da vor dem geistigen Auge präsentiert, ist nun jedem interpretatorisch selbst überlassen.
4. So und nun begeben wir uns wieder auf eine etwas andere Flughöhe.

Ich verkoste den Mirto 2004 von Ramon Bilbao:
Dunkle Früchte und Sandelholzaromen, geröstetes Weissbrot, pfeffrig leicht arrogante Kernenspuren auf der Zunge, wenig Mineralität, viel Schmelz, dennoch nicht fett, dafür schön marmeladig. Da kann man nur noch sagen: „Ein wirklich geiler Stoff!“

Und das ganze hier, also der Mirto, ist mein Hauswein. Ich habe ihn in einer „rustikalen Beiz“ (=mein zu Hause) getrunken. Mit einem Unterschied zu Liselotte R.: Ich trank ihn aus einem Gabriel(stiel)glas.
Und dieses Gabriel(stiel)glas halte ich allen als Schluss zum Grusse erhoben entgegen und wünsche weiterhin viel Weinspass ….