Happy Birthday René!

GABRIEL-GLAS - Gold-Edition, 90 Gramm, mundgeblasen (www.gabriel-glas.com)

Eine ausklingende Woche, welche noch streng wird, denke ich mir, als ich mit meiner Lebenspartnerin im Dolderbähnchen zur Endstation hochfahre! Am Donnerstagabend sind wir an eine Degustation in eben dem Dolder Grand geladen. Seit dem Umbau bin ich das erste Mal hier und denke, als wir uns zum Degustationssaal des Weinhändlers aus der Westschweiz begeben: „Aha! Hier ist das also, wo ein bebrillter Zürcher Clubbesitzer und Millionärssohn jeweils Mitmenschen in den frühen Morgenstunden zu verhauen pflegt.“

Als wir in den Saal kommen stehen 78 Weine zur Auswahl, welche es nun zu degustieren gilt.
Wir verkosten u.a.: Château Figeac, 1er grand cru classé « B », St. Emilion / Château Gruaud-Larose, 2ème grand cru classé, St. Julien / Château Léoville-Barton, 2ème grand cru classé, St. Julien / Château Léoville Poyfferé, 2ème grand cru classé, St. Julien (lange Zeit mein Hauswein) / Château Lynch-Bages, 5ème grand cru classé, Pauillac / Château Montrose, 2ème grand cru classé, St. Estèphe / Château Pape-Clément, grand cru classé de Graves & Château Smith Haut-Lafitte, grand cru classé de Graves. Dieser letzte Wein gefällt mir am Besten. Bis dato war es immer Château Margaux gewesen, auch sein kleinerer Bruder, der Pavllion Rouge gehörte zu einem meiner Topfavoriten. Als Finish kommen wir bei den Sauternes zum Schluss, dass ein Château Rayne-Vigneau, 1er grand cru classé, uns am Besten gefällt und folgerichtig auch in meinen Keller wandern wird.
Fazit: Wir verkosteten preislich - wie ich das nenne - günstigere Bordeauxweine, alle zwischen CHF 50.-- und CHF 140.-- die Flasche.
Beim Verlassen des Saales fällt mir dann noch etwas auf: Der Organisator hat sich etwas einfallen lassen, das er klangvoll „Gabentisch“ nennt. Wenn man einen Tombolaschein ausfüllt, kann man als ersten Preis von diesem Gabentisch einen traumhaften Aufenthalt auf Château Pape-Clément für zwei Übernachtungen gewinnen. Zweiter Preis: Eine Impériale (6 Liter) von Chateau Coufran 1986 und als dritter Preis: Eine Nacht für zwei Personen im Dolder Grand.
Da ich an Wettbewerben nie etwas gewinne, entscheide ich mich keinen Talon auszufüllen. Denn sollte ich etwas gewinnen, dann ist es mit dem Glück, das ich bei solchen Tombolas jeweils habe, der dritte Preis. Und der ist mir zu riskant (siehe Einleitung oben, 1. Absatz).

Tags darauf betreten wir gegen 18.40 Uhr das Crowne Plaza in Zürich, sind also etwas zu früh. Grund unseres Aufenthaltes hier: René stellt in einer Weltpremiere sein neues Gabriel Glas vor und feiert dazu gleich auch noch seinen Geburtstag. Wir betreten den Saal, René steuert auf mich zu und sagt freudig: „Salut Christopher, schön bist Du gekommen. Es wird gewaltig!“ Worauf ich sage: „Absolut!“ Dann stelle ich meine Lebenspartnerin vor und sage: „Das ist Spatz!“ Worauf René fragt: „Der Spatz von Avignon?“* Ich antworte: „Nein, eher der Spatz von Altstetten!“
Nach einer herrlichen Vorspeise werden am Tisch in den neuen Gabriel Gläsern folgende Weine präsentiert:
Im 1. Akt, Best-White 5 Weine: Davon überzeugen uns der 2008 Chardonnay Hamilton-Russel (Südafrika), der 1998 Grüne Veltliner Honivogl (Wachau) von Franz Hirtzberger, wo Spatz ganz langsam und ehrfürchtig auf einen Zettel kritzelt: KUSCHELWEIN! Der 2009 Sauvignon Blanc Whiter-Hills (New Zealand) überzeugt nicht und der 2002 Riesling Mandelgarten aus der Pfalz vermag und auch nicht ganz zum Kuschelwein zu werden.
Im 2. Akt folgende Weine: 1977 Château Musar (Libanon), welcher für mich durchfällt, 1990 Châteauneuf Château Beaucastel, 1993 Chambertin Adrien Belland, 1997 Sankt Laurent Reserve, Johanneshof Reinisch und der 2002 Castello Luigi, Zanini aus dem Tessin. Dieser Wein haut einem sprichwörtlich um, der Winzer hat hier wieder einmal ganze Stricke zerrissen. Es stellt sich mir im stillen die Frage, ob Zanini oder Balin langfristig in meinen Keller kommen. Aber mit ziemlicher Sicherheit dürften es beide dorthin schaffen.
3. Akt: 1996 Château Lynches-Bages, 1982 Château Léoville Las-Cases / 1983 Château La Mission Haut-Brion / 1989 Château Lafite-Rothschild und den 2000er Château Valandraud. Obwohl ich - als ich noch bei der Rothschild Bank arbeitete - den Lafite immer für gut befand, überzeugen mich jetzt in diesem Glas der 1992 Léoville Las-Cases, der 1983 Château La Mission Haut-Brion und eben dieser 2000 Valandraud eindeutig besser.
Ich gehe derweil schnell nach draussen eine Zigarette rauchen, wo ich auf Siegfried Seidl treffe. Er ist der Glasproduzent und erklärte wie es zu alle dem hier kam. Wir kommen bei einer weiteren Zigarette tiefer ins Gespräch und er fragt mich, ob ich von der Presse bin, was ich verneine. Sodann drückt er mir seine Visitenkarte in die Hand und sagt: „Christopher, komm mi mol bsuechen in Bad Vigaun! Und den Spatz bringst auch gleich mit.“
Mein Fazit zu dieser Einladung: „MAGIC!“
4. Akt: 1977 Estrella Bodega Weinert, Argentinien / 1998 Penfolds Grange, Australien / 1992 Heitz Martha’s Vineyard, Napa Valley / 1995 Taylor’s Quinta de Vargellas, Vintage Port sowie der 1976 Château Sigalas-Rabaud, Sauternes. Zum üppigen Käsebuffet überzeugen der Taylor’s Vintage Port und der Château Sigalas-Rabaud.
Und weil heute nicht nur die Gabriel-Glas Premiere ist, sondern auch René’s Geburtstag singen zu fortgeschrittener Stunde alle im Saal:
„Happy Birthday, lieber René! Happy Birthday, lieber René!“

Mir bleibt nur noch, mich für einen herrlichen Abend herzlich zu bedanken und mit vielen Eindrücken dieser Gabriel-Glas-Weltpremiere und meinem Spatz nach Hause gehen. Nicht nach Avignon, sondern nach Altstetten.

* Mireille Mathieu wird in Frankreich die Jungfrau von Orléans genannt. In Deutschland ist sie als "Spatz von Avignon" bekannt (Anm. des Verfassers)

Ein Mitteiliungsbedürfnis haben viele, etwas mitzuteilen nur wenige. Ich habe heute etwas mitzuteilen!

Endlich wieder einen richtigen Wein trinken: 2006 Merlot Stone Cellars von Beringer!

Wir verbringen zwei Wochen auf der Götterinsel Bali und haben heute einen Ausflug in den Norden gemacht. Unser Fahrer – ein sehr gesprächiger und stets aufgestellter und immerfort lächelnder Mensch – fährt uns nach Pemuteran ins Matahari Hotel.
Das Hotel ist Mitglied von Relais & Chateaux und eines von zehn Hotels in Indonesien, das diese prestigeträchtige Auszeichnung des "Green Hotel Standard“ erhalten hat. Und dies zu recht. Der deutsche Besitzer, welcher eine balinesische Frau aus diesem Dorf geheiratet hat, hat ihr zu Ehren hier eine Parkanlage ums Hotel gebaut, die jedem das Gefühl gibt, im Garten Eden zu sein. Was in diesem Hotel ebenfalls zu überzeugen vermag ist die Weinkarte. Endlich kann ich am Abend wieder einen richtigen Bordeaux oder etwas in einer ähnlichen Liga trinken. Denn der deutsche Besitzer kennt sich mit Weinen aus! Verständlich, wenn man bedenkt was an Weinen in Bali so alles feil geboten wird: Weine, welche mit fiesen, ungeschliffenen Gerbstoffen daherkommen und wenn sie nicht das tun dann sind sie undefinierbare Säurevehikel, in der Nase an meine nasse Katze erinnernd, wenn sie nach einem Platzregen jeweils nach Hause kommt. Auch essensmässig – v.a. wenn man traditionell einheimische Küche essen will – bedarf es erhöhter Flexibilität des Essenden. Ein Beispiel: In Kuta wollte mein Pendant eine echt typisch balinesische Spezialität essen. Es wurde uns „Ayam Betutu“ empfohlen was wir ahnungslos bestellten. Nach einiger Zeit wird uns ein gut gewürztes, aufgeschnittenes Huhn mit Ginger, Knoblauch, Galangal und Zwiebeln serviert. Und während wir das Huhn mit den Händen auseinanderpflücken müssen (anders geht es nicht), hält mein Pendant plötzlich den abgehackten Kopf des Huhns in der Hand und wedelt fragend damit in der Luft herum. Bei genauerem Hinschauen auf der Servierplatte entdecke ich dann die mitgekochten Hühnerfüsse, was mich schon sehr wundert, da weder der Kopf noch die Füsse des Huhns irgendetwas zu einer Verbesserung des Geschmackes beitragen.

Aber zurück in’s Hotel Matahari, hier ist das Niveau tadellos, beim Wein wie beim Essen: Wir trinken den 2006 Merlot Stone Cellars von Beringer mit rubinrotem Rand, in der Nase leichte Verschlossenheit, tolle gut geschichtete Fruchtaromen von reifen Erdbeeren und roten Kirschen, füllig und reich, im Gaumen feinste Tanine und cremiger Textur, sehr gut balanciert, mit einem langen Rückaroma. Viel Würze, waldiges Finale. Lucky-me sitzt nun also am Strand vom Matahri, trinkt einen Wein mit viel Spasspotential, isst Spanferkel und lauscht den Wellen der Brandung....
Fazit: Was will man mehr? Eigentlich nur, dieses schöne Erlebnis anderen mitzuteilen!

www.matahari-beach-resort.com

Wenn ein Balinese mit einer Vespa den bordelaiser Wein „express“ holt

Wir verbringen unsere Ferien in Bali in der Stadt Sanur, dies im Hotel Bali Hyatt. Dieses Hotel hat mit dem gleichnamigen Hotel in Zürich etwas gemeinsam. Nein, nicht den Namen, sondern dass in beiden Hotels Köche hinter dem Herd stehen, die in ihrer Ausbildung irgendwie geschlafen haben müssen. Daher essen wir hier immer auswärts und heute Abend ist es ein Restaurant, welches von einem Balinesen geführt wird, welcher etliche Jahre in Frankreich gekocht und dort auch Weine gesammelt hat. Auf der Weinkarte entdecke ich – und dies ist für Bali unüblich - den 2003 Carillon de l'Angelus (Zweitwein von Chateau L’Angelus). Bei immer noch stattlichen 27 Grad Celsius und 80%iger Luftfeuchtigkeit bestelle ich um 20.01 Uhr - nahe an der Veranda des Restaurants sitzend - diesen Wein. Und plötzlich schwirren mehr Kellner als sonst üblich um unseren Tisch, man wird verhätschelt und am laufenden Band gefragt, ob alles zur vollsten Zufriedenheit ist.
Um 20.10 Uhr kommt der Chefkellner, bei welchem ich zuvor den Wein bestellt habe und fragt leise, ob wir ein wenig auf den bestellten Wein warten können. Als zahlender Gast will ich dann wissen, wieso ich warten soll, wobei der Kellner noch leiser sagt: “We have to go and get the wine, Sir.” Als ich nachfasse, wo sie den Wein holen müssten, kommt folgende Antwort: “In the private cellar of the owner of the restaurant!”

Ich schaue verdutzt zu meinem Pendant und frage die Bedienung, ob der Restaurantbesitzer weit weg wohnt. Antwort: “Sir, 5 minutes from here.”
Da - wie eingangs erwähnt - die Temperatur meinen Körper den ganzen Tag aufgeheizt hat, bestelle ich mir als Überbrückung bis der Wein kommt ein kühles Pintang (=Bier).

Um 20.23 Uhr rauscht eine laut knatternde Vespa vor die Veranda des Retsaurants, die Bremsen quitschen und ein älterer Mann rennt mit einer Rotweinflasche an uns vorbei Richtung Küche. Schmunzelnd mache ich mein Pendant darauf aufmerksam und sage: “Das ganze hier erinnert mich irgendwie an einen Pizzaservice in der Schweiz, hier müsste man das wohl aber eher den “Weinservice” nennen!”

Um 20.30 Uhr wird mir die vorhin angelieferte Flasche andächtig vom Chefkellner an den Tisch gebracht und er fragt: “Shall I open the wine for you, Sir?” worauf ich ihm sage: “Of course! I wouldn’t have ordered the wine if you should not open it.”
Nachdem auch das geklärt ist, begutachte ich wie der Kellner den Korkenzieher langsam in den Korken dreht, welcher beim Herausziehen nur noch schwachen Wiederstand leistet und dann mit dem glücksesligmachenden “Plop”-Geräusch aus dem Flaschenhals gezogen wird.

Nase des Carillon de l'Angelus:
Fruchtig, erdig ledrig, Johannisbeeren mit dezentem Nussaroma, geröstete Kaffeebohnen, feste Struktur mit tänzerischem Gaumen und angehemer Frische, weiche Tanine und ein brutal langer Abgang. Das Entrecote war perfekt gekocht, die Bratkartoffeln mit frischem Rosmarin vermählten sich im Gaumen hervorragend mit dem Wein und ich war wieder einmal so richtig glücklich.
Am Ende kam der Restaurantbesitzer noch an den Tisch (der gleiche Mann, der 67 Minuten zuvor mit der Vespa vors Restaurant gefahren ist) und fragte uns, ob alles in Ordnung war. Nachdem ich das bestätigt habe, will ich von ihm wissen, wie es möglich ist, dass das Entrecote perfekt auf den Punkt gekocht und sonst alles einwandfrei war. Der Besitzer erklärte mir, dass er über 20 Jahre in Frankreich ein Restaurant geführt habe, dass müsse wohl daher rühren. Und bevor er Frankreich verlassen habe, habe er eben noch einige Flaschen dieses Carillon de l'Angelus gekauft.

www.angelus.com

Mein 39ster Geburtstag bei Tobias Funke!

Sommerwild mit Haselnusskruste auf Serviettenknödel: 20 von 20 Punkten!

Zu meinem 40-1 Geburtstag gehen mein Pendant und ich wieder einmal richtig dick essen. Dies tun wir bei Tobias Funke, welcher von Rapperswil-Jona nach Freienbach gezogen ist und dort seit zwei Wochen im Obstgarten seine Gäste bekocht: www.funkesobstgarten.ch
Ich nehme das „Grand Menue“, welches mit einem Paukenschlag von einer Vorspeise eröffnet wird. Es gibt Entenleber mit Rhabarber, dazu Zartbitterschokolade, welche in einer Entenleberterrine eingelegt ist. Der Wein: 2003 Chateau Rieussec, welcher goldgelb aus dem Glas funkelt. In der Nase präsentiert sich folgendes Bild: Honig, Pfirsich, getrocknete Aprikosen mit einem komplexen, fetten Gaumen und einer eindrücklich vielschichtigen Gesamtaromatik. Hier gelingt in der geschmacklichen Vermählung mit dem Wein und dem Essen nicht alles, die Brücke zwischen dem zuckrigsüssen Rhabarber und der Süsse des Rieussecs kann nicht hergestellt werden. Gewagt auch die Entenleberterrine mit der Zartbitterschokolade, die Schokoladenkrümmel passen nicht zum Rieussec.
Beim 2. Gang werden südafrikanische Scampi mit einem Erdbeerrisotto serviert. In einer Pipette hat es Erdbeerensaft, den man sich vorgängig zum Essen in den Mund spritzt. Weinmässig wird hier ein Riesling Smaragd von Loibenberg 2008 gereicht. Scampi sehr gut, Risotto zu al dente, die süsse der Erdbeeren finde ich sehr speziell zumal diese Süsse nicht zum Loibenberg passt. Farbe: Mittleres Strohgelb mit zarten Goldreflexen und guter Schlierenbildung. In der Nase üppig und tief mit ausgeprägter Exotik und Mineralität. Und genau diese Mineralität passt nicht zum Erdbeerrisotto respektive der Erbeerensüsse. Ich werde den Eindruck auch nicht los, dass hier mehr das Design und wie das ganze angerichtet wird im Vordergrund steht, als was ich schliesslich zum Essen im Teller habe. Irgendwie viel Firlefanz….
Am Gaumen präsentiert sich der Loibenberg mit Substanz und Tiefe, die Aromen setzen sich fort, die feste Säure gibt dem Wein Schliff und Finesse.
3. Gang: Taube mit Sellerie und Wang-Tang von der Jakobsmuschel, dazu ein Grillette. Unter einer Glasglocke wird mir die Taube gebracht, diese wurde mit Fichtenduft parfümiert (deshalb ist sie unter dieser Glasglocke). Dann der erste Biss und ich kann nur den Kopf schütteln. Die Taube ist zäch, das Fleisch wirkt gummig, der Wein dazu viel zu spritzig. Hier müsste ein Wein serviert werden, welcher durch mehr Volumen am Gaumen auffällt und entsprechend auch Druck macht und weniger spritzig daher marschiert. Was geschmacklich aber eine hervorragende Kombination darstellt, ist der Taubengeschmack mit Fichte und Wirz. Dass das Fleisch keine bessere Qualität aufweist ist nicht die Schuld des Kochs, da müsste man mit dem Metzger reden, der das verkauft hat. Leider fällt dieser Gang gänzlich durch, da kann man die Dinge drehen wie man will. Schade!
4. Gang: Sommerwild mit Haselnusskruste auf Serviettenknödel, der Wein hier: Blaufränkisch Eisenberg 2007 von Uwe Schiefer. Und endlich spielen wir in der Liga, die ich von Funke kenne, das Fleisch ist butterzart, die Haselnusskruste ein Traum, der Wein passt bis auf die sperrigen Tanine gut zum Fleisch. Aber: Man hätte einen älteren Schiefer nehmen sollen. Für’s Essen gibt’s 20 von 20 Punkten, alles absolut perfekt. Sehr speziell und fast schon erotisch sind die grobkörnigen Salzstückchen auf dem Fleisch, das ganze knackt herrlich beim Reinbeissen. Herrlich!
Beim Käse (unter anderem von Willi Schmid aus Lichtensteig) lehnt sich Funke wieder sehr weit aus dem Fenster: Er schlägt einen Gewürztraminer vor. Dass das eine eher unglückliche Kombination ist, wird klar, wenn man den Käse und den Wein im Gaumen hat. Der Gewürztraminer von Christoph Schenk (Jahrgang 2008) zeichnet sich durch eine sehr aromaintensive und eigenwillige Struktur aus und das passt nicht. Auf einen Portwein mag ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr umsteigen und trinke den Wein nachdem ich den Käse gegessen habe.
Dispositiv:
Es waren sehr gewagte Menü- und Weinzusammenstellungen, vielleicht zu gewagt. Es ist aber auch immer einfacher zu kritisieren, als das dann selbst besser zu machen. So gesehen hat der Abend dennoch Spass gemacht.
Hoffen wir, dass der Funke bei Funke in naher Zukunft dennoch springen wird.

Tinto 2005 Finca Villacreces: Viel erwartet, viel bekommen!

Zu meinem Geburtstag erhalte ich eine Flasche Wein von einem ehemaligen Arbeitskollegen geschenkt. Nicht die erste Flasche die er mir schenkt und hoffentlich auch nicht die letzte, denn der Mann sucht grundsätzlich immer spezielle Weine aus!
Es ist eine Boutteile von oben erwähnter Finca aus dem Ribera del Duero, was für eine weinstarke Region steht.
Beim Öffnen und der ersten Beschnüffelung des Weines folgendes: Ein fast blockiertes Potential zeigend, daher muss dieser Wein mehrere Stunden karaffiert werden, da man ansonsten nicht die volle Fülle des Potentials erfassen kann. In der Nase folgendes Bild:
Die Blume offeriert Brombeeren, Johannisbeeren, Röstkaffee und Kakao. Auf der Zunge komplex, viel Volumen mit guter Struktur. Mineralien, würzige Komponenten. Mit reifen, jugendlichen Tanninen ausgestattet, mittlerer Säure und langem Abgang Das vorerwähnte jugendliche Tannin ist in Perfektion eingeflochten, sollte aber noch etwas Zeit zum Nachreifen bekommen (muss aber nicht). Das Finish ist grottenlang und von der französischen Eiche beherrscht.
Als mein Pendant und ich dieses Wochenende in Sempach mit den Starwinzern Franz Xaver Pichler und René Gabriel Pichlers Raritäten Rieslinge (u.a. den 1991 Riesling Loibner Steinerthal Smaragd, den 1993 Riesling Kellerberg Smaragd) schlürfen durften, hatte ich ähnliche Glücksgefühle wie beim Trinken des Villacreces. Das Weingut Finca Villacreces sollte man daher unbedingt im Auge behalten.

Und zum Schluss noch ein von René am Pichler Raritätenabend erzählter Witz:
Warum bindet man den Schwanz seines Hundes an dessen linkem Hinterbein fest?
Antwort: Damit er nicht wedeln kann, wenn die Schwiegermutter auf Besuch kommt.