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Was ist die ultimative Steigerung auf Amarone?
An Weihnachten gönnt man sich ja einiges. Während andere heute Abend Buttercreme, Lebkuchen, Glühwein und üppige Braten - welche in braunen Saucen schwimmen, die so gross wie das Mittelmeer sind – verschlingen, hole ich mir einen 2004 Amarone Ripasso Bosan von Cesari aus dem Keller und genehmige mir dazu den deftigen französischen Kuhmilchkäse Epoisse. Und so beim Schlemmen begutachte ich eine Flasche Wein, welche ich heute geschenkt bekommen habe. Warum probiere ich diesen Wein nicht? denke ich mir und hole den Korkenzieher. Was nach dem Öffnen der Flasche kommt ist der absolute Genuss. Viel verlangende, absolut noble Tannine, neigt zu einer Männlichkeit die nur so vor sich strotzt. Aufrauend, an keinen Finessen missend, opulent, dies aber ganz anders als man es aus dem Bordeaux kennt, fette, fleischige Frucht, schlichtweg betörend, knapp an der Grenze an einen Portwein zu erinnern. Einer der edelsten Weine, die ich seit Jahren getrunken habe! Und ich überlege mir, was mir der Schenkende mit diesem Wein sagen will. Ich komme zum Schluss dass der Mann gerne Dimensionen sprengen will. Oder er will, dass ich mich inskünftig noch mehr anstrengen muss, wenn ich ihm einen Wein vorschlage oder wir einen solchen zusammen trinken. Jedenfalls gibt’s an diesem Wein rein gar nichts zu kritisieren, ich kann nur meinen Hut ziehen und dem Winzer und Schenker danken, dass ersterer solche Weine produziert respektive ich so etwas geschenkt bekommen habe. Der Epoisse ist schnell gegessen, der Wein dazu noch schneller getrunken und die Erinnerung an diese geschmackliche Begegnung mit dem Wein und dem Epoisse wird noch sehr lange in meinem Kopf haften bleiben. Und wie heisst nun dieses Wein-Wunderkind?
Primitivo di Manduria Sessantanni 2006 von Feudi di San Marzano aus Apulien.
Fazit : Standing Ovation! Danke Markus für diesen Wein. Ich werde mich revanchieren!
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Queen Elizabeth II, Südafrika und ein Knoblauchbrot
Zuerst kommt immer das Militärorchester mit den legendären Bärenfellmützen, kurz darauf die Queen in ihrem Rolls Royce
Nach dem Hinschied meiner Mutter, welche Engländerin war, besuche ich London, um meine dortigen Verwandten zu besuchen. In der Schweiz habe ich keine mehr, also nehme ich mir für den Besuch des Heimatlandes meiner Mutter einmal ausgiebig Zeit. Nach meiner Ankunft in London Gatwick, fahre ich mit dem Zug nach London Victoria, ein Bahnhof in der Nähe des Buckingham Palace und des Einkaufshaueses Harrods (www.harrods.com). Ich entscheide mich, zu Fuss zur Stadtresidenz von Queen Elizabeth II (QE2) zu gehen und flaniere die Buckhingham Palace Road runter, wo ich von einem Mann angesprochen werde, ob ich „The big issue“ kaufen wolle. Das ist etwas in der Art wie das Surprise, welches von Menschen in sozialer Notlage in Schweizer Grossstädten verkauft wird. Ich kaufe ihm ein Heft ab und begebe mich zum Palast von QE2, wo ein grosses Sicherheitsdispositiv mit Helikoptern, unzähligen englischen Bobbys und berittenen Soldaten von QE2 – die sogenannten Horse Guards - vor dem Palast herumpatroullieren. Und plötzlich rauschen zwei royale Rolls Royce an mir vorbei, in einem die Inhaberin des Palastes, gefolgt vom zweiten Wagen, wo der südafrikanische Präsident Zuma drinsitzt, der hier gerade auf Staatsbesuch ist. Dass es Zuma ist habe ich aber auch nur anhand der vielen südafrikanischen Fahnen erkannt, die hier aufgehängt wurden. Und diese kenne ich auch nur deshalb, weil ja bereits in 99 Tagen in Südafrika die Fussball Weltmeisterschaft sein wird und man daher überall im Fernsehen die Fahne von SA sieht. Auch mal eine Reise wert, denke ich mir! Ich winke also beim Vorbeifahren QE2 und Zuma zu, weiss aber nicht, ob die mich gesehen haben. Immerhin bin ich nicht alleine hier und sie (QE2) scheint immerfort allen am Strassenrand aus dem Auto heraus zu zu winken. Südafrika überlege ich mir, so einen Wein könnte ich heute Abend wieder einmal trinken, immerhin habe ich schon lange keinen mehr aus diesem Teil der Kronkolonie getrunken. Im Hotel beim Abendessen bestelle ich dann die Karte und frage nach SA Weinen. Anstatt dass die Bedienung mich fragt, welche Traubensorte ich gerne hätte, werde ich darum gebeten zu definieren, wie viel ich denn davon haben wolle. Also sage ich „three deciliters“, worauf die Bedienung meint: „No, I mean if you want a small, a medium or a large glass“. Da ich nicht weiss wie viel ein medium glass beinhaltet (es sind wie ich später herausfinde 250 ml) frage ich nach und kriege mit den Händen vorgezeigt, wie viel das in etwa ist. Also nehme ich das medium glass und bestelle dazu einen Büffel-Tomaten-Mozarella Salat, Schweinefilet mit einer undefinierten Thymian- (Toastbrot?)-Füllung und fettigen Bratkartoffeln und verlange den südafrikanischen Pinot Noir von Kleine Zalze (www.kleinezalze.co.za). Wäre Jamie Oliver hier, es würde herbe Kritik in Richtung Küche fürs Essen hageln, nicht aber beim Wein. Dieser hat Noten von reifen Pflaumen in der Nase und auf dem Gaumen, kombiniert mit den Noten von rauchiger Cigarrenbox. Mit mittlerem Körper und fein integrierten, weichen Gerbstoffen. Und da die Landsleute meiner verstorbenen Mutter effektiv immer noch Mühe mit dem Kochlöffel bekunden, esse ich von vorerwähnten Speisen nur sehr wenig von allem, also einen Bissen, dafür alles vom Knoblauchbrot. Fazit: Die Landsleute meiner Mutter können zwar nicht kochen, aber sie geben dafür umso stolzere Paraden, wenn ausländische Staatsgäste die Hauptstadt besuchen
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Wieso kriegt man in England immer so dick geschnittene Brotscheiben zum Essen?
Ich war heute im Harrods. Dort habe ich mir an der Bar von Veuve Clicquot ein bisschen Kaviar und zwei Gläser La Grande Dame Brut genehmigt, nachdem ich für meinen Spatz ein Andenken für ihren allmorgendlichen Espresso von Villeroy & Boch, Linie „Samarah Purpur“ gekauft habe. Für mich eines der schönsten Porzellanlinien von V&B, aber das hat mit dieser Tasting Note eigentlich nichts zu tun. Da ich langsam des englischen Essens – und ich esse gerne deftig, viel und wärschaft – überdrüssig bin, will ich mir am Abend im Hotel etwas ganz spezielles genehmigen. Ich bestelle folgendes: Als Vorspeise die Hühnerleberpastete mit frischem Salat und zum Hauptgang ein vegetarisches Pilzrisotto. Weinempfehlung der Bedienung: „ Rioja (red)!“ Nun gut. Es handelt sich beim Rioja um den 2007er Faustino VII für £ 21.95 die Flasche. Ok, nehm ich den, denn ich mag mir heute nicht das ganze „red or white“ Weinkarussell vom Service anhören. Dieser Rioja ist trocken, im Gaumen schlank wie eine lang gezogene Schnur, dezente Holznote, weich, mässig elegant, in etwa so wie wenn ein Maulwurf zum Sehtest geht. Es kommt nicht viel. Ich beginne mit der Hühnerleberpastete, welche nicht schlecht schmeckt. Gute Konsistenz, aber leider viel zu viel Schweinefett verwendet. Kein weiterer Kommentar! Beim Hauptgang dann das vegetarische Pilzrisotto und was da kommt, wuchtet mich in den Stuhl. Die Pilze so gross, wie schon selten gesehen (in 4er Teile geschnitten), sie haben an der Aussenhaut immer noch ihr eigenes Öl, das heisst nichts anderes, als dass sie aus der Dose kommen und am Schluss unter das Risotto gemischt wurden. Die Sähmigkeit des Ganzen ist nicht schlecht, aber es erinnert mich nicht wirklich an ein sehr gutes Risotto. Es kann anscheinend sehr schwierig sein, den Reis genau auf den Punkt zu kochen und dann z.B. einen 7-jährigen Sbrinz darunter zu mischen. Stattdessen wird hier mit dick gehobelten Parmesanscheiben das Risotto auf der Oberfläche geschmückt und zwar sind die so dick gehobelt, dass sie gar nicht richtig schmelzen können. Und vor allem fehlen mir die Gewürze wie z.B. Muskat, Thymian oder Salbei, welche hier mit wenig Aufwand eigentlich etwas Frische reingebracht hätten. Nachsalzen muss ich dann auch noch, was ich sonst nie tue, aber hier geht es nicht anders. Irgendwie kriegen die englischen Landsleute das mit ihren Brötchen und dem Essen nicht so richtig gebacken. Und darum legen sie einem wahrscheinlich auch immer zwei bis drei super dick geschnittene Brotscheiben mit auf den Tellerrand. Morgen versuche ich es ausnahmsweise einmal mit „Fish & Chips“, dazu viel Bier. Vielleicht klappt’s ja dann mit der englischen Kochkunst?
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Wenn der Wind die Bäume neigt und sehr viel Schnee vom Himmel schneit
Zum Rib Eye Steak gab es diese Aussicht "gratis" dazu
Heute war ich wieder einmal im tiefverschneiten Arosa, wo es diese Nacht fast 30 cm Neuschnee gegeben hat. Wie jedes Jahr bringe ich Freunden und deren Tochter 3 Flaschen Barsac und eine Flasche D’Yquem für die Kleine, dass sie das dann in einigen Jahrzehnten einmal trinken kann. Im Restaurant Sorell (www.hotelarosa.ch) genehmige ich mir das Rib Eyesteak (250gr. Rind) „Monster Style“ mit Spiegelei, Kräuterbutter, Crispy Sticks und gegrilltem Gemüse und ein Rivella. Ja genau, keinen Wein, sondern ein Rivella rot. Nachdem wir zu Mittag gegessen haben, kaufe ich in einem Spezialitätengeschäft Bündner Salsiz, Pizokel und Tessiner Senf, den man auf Käse streichen kann, wobei Doris mir irgendwann im Gespräch sagt, dass es so etwas in Rapperswil-Jona nicht gibt. Plötzlich starrt mich eine der Verkäuferinnen an und fragt: "Sind Sie von Rapperswil-Jona?" was ich bejahe. Worauf sie erwidert: "In bin dort zur Schule im Schachen gegangen, was haben Sie für einen Jahrgang?" Ich antworte: "1971", worauf sie meint: "Dann sind wir nicht zusammen zur Schule gegangen, ich habe Jahrgang 1960 und wir wohnten an der Johannisbergstrasse 25." Irgendwie gibt es Zufälle im Leben, die müssen so sein, denn ich wohne an der Rainstrasse 26 und wenn ich bei mir auf der Terrasse stehe und nach links oben schaue, dann sehe ich genau das Haus der Johannisbergstrasse 25. Leider muss ich schon auf den Zug, um zurück nach Jona zu fahren, drücke besagter Dame aber noch meine Visitenkarte in die Hand und sage, sie solle sich bei mir melden, wenn sie dereinst wieder einmal in Jona sein sollte. In Chur kaufe ich mir beim Merz – nicht Hans Rudolf Merz – sondern der 1945 gegründeten Konditorei Merz eine Bündner Nusstorte, um alle die gemachten Einkäufe heute am Abend zum Nachtessen zu konsumieren. Der Wein dazu: Ein 2001 Fourrier, Chambolle-Musigny Vieilles Vignes: Dichtes Granat-Purpur, leicht gurkige Nase, im Gaumen eher säurebetont, cremig - und wenn man viel Vorstellungskraft hat - guter Länge. Ein Hauch Cassis, aber der Wein steht leider nicht gerade da wie eine 1, es fehlt ihm an Materie. Die Flaschenetikette ist sexier als der Inhalt. Nun, macht nichts, dafür schmecken mir die Bündner Spezialitäten umsomehr.
Und zum Schluss noch dies: Wer ist der beste Freund des Menschen: Die Ehefrau oder der Hund? Antwort: Der Hund. Und woran erkennt man das? Man schliesse seine Frau und seinen Hund für 2 Stunden in den Kofferraum ein. Was meinen Sie, wer freut sich mehr, einem beim Öffnen des Kofferraums wieder zu sehen?
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Die "speziellen Momente" im Leben
Auch mit 20 Jahren steht er noch stramm da: 1990 La Selvanella von Melini
Heute war ich wieder einmal bei einem meiner Weinhändler. Das werde ich meinem Spatz natürlich bei unserem abendlichen Telefonat nicht erzählen, denn sonst kriege ich wieder zu hören, dass bei mir einige Schrauben locker sind, dass ich schon wieder Weine ordere – da mein Weinkeller zur Zeit mit neuen Bestellungen überquillt. Und als ich so im Laden meines Kollegen stehe, erzählt er mir eine Geschichte, welche sich unlängst zugetragen hat. Eine junge Frau, welche bei ihm war, wollte wissen, ob er auch Weine für ganz „spezielle Momente“ habe. Mein Kollege erwiderte, dass man Wein nicht nur für „spezielle Momente“ haben sollte, denn jeder Tag ist auf seine Art speziell, folglich könne man jeden Tag einen Wein öffnen. Die Kundin schien den tieferen Sinngehalt dieser Aussage irgendwie nicht zu verstehen, jedenfalls meinte sie, dass es für etwas „ganz besonderes“ ist und da wolle sie eben ein bisschen auftrumpfen. Mein Kollege meinte dann zu mir: „Weisst Du, wenn ich Lust habe, dann mach ich mir an einem ganz normalen Tag eine spezielle Weinflasche auf. Man muss doch nicht immer auf spezielle Momente im Leben warten, um Wein zu trinken!“ Diese Aussage quittiere ich verzückt lächelnd und kopfnickend, schiebe dann noch meine Version nach, was bei Frauen spezielle Momente sind: „Eine Frau ist der Meinung, dass ein spezieller Moment in etwa so auszusehen hat, dass sie sich ein wohliges Bad mit vielen, herrlich duftenden Rosenblättern genehmigt, das ganze bei warmem Kerzenlicht, unterlegt mit klassischer Musik, dazu einen Liebesroman lesend. Der Wein für den speziellen Moment bringt dann das männliche Muskelpacket mit, welches im Verlaufe des späteren Abends noch vorbeikommt. Fazit: Die Frau hat das Aussuchen des Weines so an das männliche Pendant delegiert und daher kann Deine Kundin ziemlich sicher auch nichts mit Deinem Vorschlag anfangen!“ Mein Kollege bestätigt mir verzückt lächelnd und kopfnickend, was ich soeben gesagt habe. Und weil wir hier gerade von speziellen Momenten reden, gehe ich nach Hause und mache mir einen der beiden „La Selvanella“ von Fattorie Melini auf. Dieser Wein – 2 Stück - wurden mir unlängst von Leyla und Harry, welche ich zu einem Wine & Dine eingeladen hatte, geschenkt. Die Flaschen sind nummeriert, jene welche ich heute öffne trägt die Nummer: 58316, stammt aus dem Jahre 199o und verfügt über einen perfekten Füllstand. Nase: Kein Hungerhacken, Anspielungen auf Himbeeren, mässig intensive Kirsch-und Kräuter-Aromen, ein dicker gut gereifter Wein, leicht speckig mit tiefer, dunkler Frucht im Abgang, sehr würzig und druckvoll, kurz: Rustikal, animalisch, zupackend! Leichte Todessüsse zeigend … Leider auch etwas mürbe gewordenen Tanine, aber das ist bei einem 20-jährigen Chianti Classico verzeihbar. Sollte man also noch welche im Keller haben: Nicht auf spezielle Momente warten, austrinken!
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