Last euch nicht lumpen, hoch mit dem Humpen. Ein Mini Bottellon bei Werni!

Der und die Lesende fragen sich jetzt wahrscheinlich: „Ein Mini Bottellon bei Werni!“ was ist das denn schon wieder? Nun dieser Titel muss sein. Er muss deshalb sein, weil ich am Abend zuvor auf der Blatterwiese in Zürich das getan habe, was cirka 1000 andere auch getan haben. Am ersten Zürcher Bottellon sinnlos Alkohol in mich reinschütten und es lustig haben. Einige haben sich dabei so sinnlos euphorisierend-lustig machende Getränke reingeschüttet, dass ich dachte: Denen geht es effektiv nur darum zu Saufen bis der Notarzt kommt.
Bei Werni ist das heute Abend aber nicht so. Wir bleiben bei 10 Flaschen Wein für 4 Personen, das muss genügen. Und deshalb ist es ein Mini Bottellon, welches wir mit einer Flasche Züri Secco eröffnen.

Nach dem Züri Secco, dann der erste Gang:
Mini Kartoffeln mit Kaviar und Lachs

Hierzu habe ich den 2007 Höcklisteiner Räuschling von der Caves Cidis und den 2004 Irsai Oliver aus Ungarn gegeneinander antreten lassen. Der Räuschling, eine alte Zürcher Traubensorte sollte meines Erachtens zum Fisch gut geeignet sein. Das ist dann nicht der Fall, der Räuschling wirkt skelettös, dünnbusig und hat zu wenig Kraft um gegen die sehr gut - geschmacklich perfekt etagierten - Kartoffeln mit Lachs- und Kaviarfüllung anzukommen. Der Wein braucht unerhört viel Geduld, Glauben und Vorstellungskraft und fällt daher durch.
Dafür strotzt der Irsai mit fruchtiger Potenz aus dem Glas und begleitet diesen Appetizer hervorragend.
Fazit klar: Eins zu Null für die Küche!

Gang zwei:
Lachsfilet auf Lauch- Feuilleté
Wieder darf Irsai Oliver antreten. Dieses Mal gegen den weissen Santagostino Firriato. Das rauchige beim Santagostino wird schnell durch das Lauchfeuilleté weggedrängt und der Wein umschmiegt mit seiner eleganten Säurestruktur das Feuilleté wie ein Seidentuch ein gut rasiertes Frauenbein. Speziell am Feuilleté: Es ist Zucker und Curry im Spiel. Dazu die Mineralität des Weines mit folgendem Charakter:
Klares Strohgelb mit goldenen Reflexen, Duft nach Melone, Akazien mit trockenem, frischem Geschmack. 70% Catarratto und 30% Chardonnay sorgen hier für die nötige Erotik.
Den Irsai schiebe ich derweil weit weg, da nicht einmal die verwelkenden Lemongras-Noten an das Feuilleté herankommen und alle sind sich einig: Zu diesem Gericht MUSS es Santagostino Bianco sein.

Dritter Gang:
Zitronenspaghettini mit Basilikum
Dazu treten an der ungarische 2003 Janos Bacsi and once again, der Irsai Oliver. Und hier passiert etwas, das nicht passieren dürfte. Schon als ich damals mit der Gastgeberin telefonierte und fragte, wie sie die Zitronisierung der Spaghettini vollzieht, sagte sie, sie nehme zitronisiertes Wasser, in welchem die Spaghettini gekocht werden würden. Das wäre auch der richtige Ansatz. Das tat Sonja dann aber nicht. Sie gab Zitronensaft in die Sauce und überdosierte dabei. Kommentar meines Gschpänlis auf der anderen Seite der Flaschen, notabene ihr Lebenspartner: Zu viel Zitrone!! Zu viel Zitrone!!
Nun, ich versuche mir den ganzen Zitronenhain wegzudenken und konzentriere mich auf die Weinstruktur des Janos Bacsi. Eine geschmackliche Flaute tritt ein, der Bacsi hat keine Blume mehr, wirkt reduktiv und stösst eine lachsig-fettige Note aus. Es ist hier schwierig zu sagen, ob Bacsi eine Chance gehabt hätte, wenn weniger Zitronensaft verwendet worden wäre. Daher kann ich hier kein Fazit abgeben - weder zum Bacsi noch zum Irsai.

Vierter Gang:
Thunfischfilet mit Mohn, Sesam auf Seealgensalat

Was Sonja exzellent macht, ist das Verzieren und Dekorieren der Teller mit dem Hauptgang und den übrigen Beilagen. Das hat Nouvelle Cuisine Qualität! Und ist olympiagoldverdächtig. Für die, welche mit der Nouvelle Cuisine nicht vertraut sind, hier der Wikipedia Beschrieb dazu:
Unter diesem Begriff wird eine in den 1970er-Jahren in Frankreich entwickelte, wenig opulente Kochkunst, die sich um die Bewahrung des Eigengeschmacks von Nahrungsmitteln bemüht, verstanden. Es handelt sich dabei um eine Küche, in der mit wenig Fett, aber vielen Kräutern und Gewürzen gekocht wird. Besonderer Wert wird auf die Präsentation der Gerichte gelegt.
Doch zurück zum Thunfischfilet…..
Nicht nur meine Trommel ist schon voll, auch die anderen reiben sich ihre Bäuche und sagen sich, jetzt bloss nicht schlapp machen, denn ein bisschen mitmachen und dann beim Hauptgang nicht mehr mögen gibt es nicht. So wenig wie es das gibt, dass eine Frau ein bisschen schwanger ist. Als ich Priska anschaue und sie ihre beiden Weissweingläser mit erschöpften Augen anschaut und ich sie frage: "Was isch?" meint sie: "So viel Weisswein „mag i nöd eso….“ (kein Problem – so gibt’s für mich ein zweites Glas). Doch hier haben wir den ersten Roten, also kann sich Priska getrost zurücklehnen und sich den Roten „Best Red“ zu Gemüte führen. Die Gastgeberin will dann von mir wissen: „Was isch das für en Wi?“ Antwort meinerseits: „Best Red“
Sie fragt nochmals: „Was isch das für en Wi?“ Antwort meinerseits: „Best red!“ Sie fragt nochmals:
„Was isch das für en Wi?“ Ich zurück: „BEST RED!“ Nach dem 6 Mal fragen sage ich ihr dann: „Der Wein heisst Beeeest Red!!!“
Best Red ist eine Assemblage aus 5 Traubensorten. Zusammengeleert im Burgenland auf dem Weingut Terra Galos von der Familie Achs. Perfekte fleischige Aromatik mit Erdbeeren und brombeerigem Auslauf und wunderschönem Toasting. Irsai Oliver hat nichts mehr zu Husten, den schiebe ich zum zweiten Mal am heutigen Abend links an den oberen Tischrand und stecke meine Nase tief ins „Best Red“ Glas, wo ich sie kaum mehr aus dem göttlichen Trunk herausbringe. Das Fazit am Tisch über den „Best Red“ fällt gespalten aus. Werni findet den Irsai Oliver passendender und siehe da – sein Stern Sonja – schwenkt von ihren ursprünglichen Lobeshymnen, dass zum Thunfischfilet NUR der Irsai Oliver das Nonplusultra sei ab und kürt den „Best Red“ zum besseren Essensbegleiter.
Fazit: Zwei zu Null für Gast Bünzli!

Als Finish dann Käse mit Feigen- und Birnenbrot.
Der Läufer Epoisse tritt gegen den Amarone della Valpolicella DOC Classico Fratelli Zeni 2005, den 1997iger Poliziano Rosso die Montepulciano sowie den 2002er Aurum, Trockenbeerenauslese, im Barrique veredelt, an. Für Werner ist die Sache schon nach dem ersten Schluck Aurum klar. Er will nur noch das flüssige Gold seine Kehle runterleeren. Ich kann derweil mit dem Amarone mehr anfangen. Ein Teutone, welcher perfekt zum Birnbrot passt. Der Poliziano ist leider über dem Peak, Barriques dominiert, will heissen: Fruchtphase schon leicht am Abklingen, Holz und Tanine zu vordergründig, aber noch nicht mit Todessüsse versehen. Er vermag leider auch nicht gegen den Epoisse anzukommen. Ich hätte jetzt auch noch gerne etwas mit Botrytis Cinerea gehabt (was es heute Abend aber nicht gibt). Diese Botrytis Cinerea ist eben für mich schon das, was für den kokainsüchtigen Junkie der Stoff Ecgonin ist. Priska tendiert zum Roten und Sonja hat „es durenand mit dä Rotwi“ und „„…chunt nüme drus, was was isch!“

Als Abschiedsgeschenk erhält die Gastgeberin, welche vorzüglich gekocht, dekoriert und mit sehr viel Liebe alles präsentiert hat, dann das süsseste Geschenk, dass man von mir bekommen kann: 3 Küsschen und einen langen Knuddel!

Das nächste Mal bei mir, dann zum Medium Bottellon mit 15 Weinen, 4 Personen und 4 Gängen!

Santagostino Rosso meets Grifalco

Der regelmässige Leser meiner Page weiss, dass ich derzeit daran bin, mich auf einer Singleplattform darob zu amüsieren, wer alles mein Profil angeklickt hat damit ich dann deren Profil anklicken kann, um mir dort ein Bild davon zu machen, was alles an weiblichen Möglichkeiten gerade „auf dem Markt“ ist. Die letzte, welche mein Profil angeklickt hat ist eine Chinesin, Buddhistin (nicht praktizierend, wie sie selbst schreibt) und hat das Pseudonym „Dreamlucy“. Ferner schreibt sie von sich:

I’m a simple person, one man for one woman mind; don’t want to make life complicated, hope you are the same! I travelled a lot in both Europe and China; I like photography, gardening, cooking, travel, good music and movies. I enjoy healthy foods and healthy life; I love animals, cats, dogs, I love nature. I hope you are a decent man, understanding and respect people, have a big heart and a big mind, No Smoking! Willing to have a healthy life with you.

3 Sachen fallen mir auf, als ich zigarettenrauchend und an der 2. Weinflasche nippend den Text lese: No Smoking! Und „healthy life with you “ sowie: “don’t want to make life complicated”.
Nun frage ich mich: Wenn Dreamlucy meine Partnerin wäre, was würde sie zu meinem Zigarettenabusus und meinem Trinkverhalten sagen? Viel wahrscheinlich. Ziemlich viel sogar. Wahrscheinlich würde sie mir ständig Vorschriften machen und mir erklären, dass „two bottles wine“ und 40 Zigaretten täglich 41Zigaretten zu viel sind. Aber sie sagt ja „I don’t want to make life complicated…” Also tue ich das einzig Richtige: Auf meinem Labtop rechts oben den Delete-Knopf drücken.

Zu den beiden Weinen, welche ich mir genehmige:
Santagostino Rosso trifft auf Grifalco, 2005 gegen 2004. Der eine eine Taninbombe, der andere die barocke Verspieltheit aus sizilianischen Landen in französischem und amerikanischem Fass gelagert. Mein sizilianischer Begleiter ist in der Nase dicht und intensiv, offeriert blumige und rauchige Note mit körperreichem Mund. Und er öffnet ein langes, balsamisches Finale. Sehr schön! Unterlegt ist die ganze Geschichte mit Eukalyptus, wenig Minze und dezentem Tannenharz. Zum Santagostino noch folgendes: Der Name ist Programm und die Homepage der absolute Hammer: www.firriato.it
Dagegen der Grifalco mit kernigen Gerbstoffen und schokoladiger Ouvertüre. Aber leider auch ein Wein, der einem im Gaumen herumeiert, wie wenn Hühner im Hühnerstall unkoordiniert Eier legen. Also dekantiere ich ihn, damit Ordnung in die Sache kommt. Et voila, nach 20 Minuten kann man ihn konsumieren ohne dass man den Eindruck hat mit Extra Terrestrial (=E.T.) in einem Raumschiff einen Joint geraucht zu haben. Sperrig ist er immer noch, aber er wirkt gezähmt. Vielleicht muss ich mich einfach noch daran gewöhnen, dass dieser Italiener nicht zu mir passt. So wie Dreamlucy nicht zu mir passt. Oder Weine trinken, die mein Leben nicht „complicated“ machen.
Generell beurteile ich die Weine ja über meine Nase, also nach den Gerüchen und weniger nach dem, was ich im Gaumen habe. Das ist als Kettenraucher (siehe oben) auch das einzig Sinnvolle. Wieso das so ist, weiss ich nicht genau. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass ich als Kind in einen Topf „4711“ gefallen bin und seither schnüffle ich eben lieber an duftigen Weinen, als sie im Gaumen zu gurgeln. Fazit: Ich bin ein Wein-„Schnüffler“. Dreamlucy würde sagen: Alkoholiker! Doch zurück zum "Grifalco meets Santagostino": Als Essensbegleiter kann Lammgigot mit Pinienkernen und viel Rosmarin mit Kartoffeln genommen werden (an einer Marsala-Pflaumen-Sauce). Auch Grifalco geht noch, kommt aber generell zu hart rüber.

Und weil ich jetzt so schön in Stimmung bin, mache ich einen Spaziergang durch die herbstlich bunt gefärbten Wälder von Rapperswil-Jona und fülle meine Lunge nicht mit Rauch, dafür mit den Düften des Herbstwaldes. Und freue mich, dass ich dabei nicht von Dreamlucy begleitet werde.

Wenn ein guter Kollege das hat, wo von Mann die ganze Zeit träumt

Peter lädt zum Grillen bei ihm zu Hause ein. Mit von der Partie ist seine Freundin Eva. Eva ist gebürtige Tschechin, sieht sehr gut aus und verfügt über etwas, das mich den ganzen Abend lang enorm fasziniert. Wenig emotionale Emanzipation. Was heisst das? Das heisst, dass Eva der Auffassung ist, dass eine Frau nicht zwingend emotional emanzipiert sein muss - so wie es Alice Schwarzer beispielsweise ist. Und das entzückt mich, zumal mir Eva sagt: Wenn ich in Tschechien eine Frau suchen würde, hätte ich eine sehr grosse Auswahl, weil tschechische Frauen auf Männer abfahren, welche sich gepflegt ausdrücken können (Danke für d’Blüemli), beruflich gut situiert sind (nochmals Danke!) und generell etwas „darstellen“. Oder anders: Der Mann muss Geld verdienen und erfolgreich sein. Nun, da muss Mann sich nicht gross anstrengen, da slawische Frau nicht zu wünschen scheint, dass Mann sie als emotional emanzipiertes Wesen wahrnimmt. Es scheint zu genügen, dass Mann ein bisschen gut reden kann und in der Arbeitswelt nicht gerade hinten auf einem Müllwagen steht.
Wie dem auch sei. Zum Grillfleisch zwei Weine, den 1983 Château Beauchêne aus dem Pomerol und der 1982 Château Le Fournas Bernadotte aus dem Haut Medoc.

Der Beauchêne kommt mir vor wie ein betäubtes Faultier, schwer liegt er mit wenig Gerbstoffen versehen im Glas, verströmt dabei ein leicht süssliches Erdbeer-Vanille-Package aus. Mehr kommt da dann nicht.
Der Wein ist kurz vor dem Ende, steht aber immer noch mit kräftiger Textur da. Interessant, dass er sich 25 Jahre so hat halten können, da er nicht zu denjenigen Weinen zu zählen ist, welche gekeltert werden, dass man sie in 76 Jahren noch trinken kann. Bei beiden fällt auf, dass das Terroir weg ist. Pomerol und Haut Medoc riechen genau gleich, Mineralität ist weg, wenig fruchtige Ausläufer. Speziell auch, dass die Todessüsse am Anfang ist. In ca. 2-3 Jahren dürfte sie dominieren und der Wein dann definitiv in die önologischen Annalen eingehen. Peter meint, man könne solche Weine ja noch zum Kochen verwenden, was ich aber nicht machen würde, da man den Geschmack des Weines im Essen haben will und wenn nichts mehr da ist, das Geschmack gibt, dann macht es auch keinen Sinn, den Wein zum Kochen zu verwenden.
So und nachdem ich mich hier zum Wein in eher wenigen Worten geäussert habe und wieder einmal echt viel gemacht habe, komme ich zu einer Erkenntnis: Es gibt viele Menschen, die den ganzen Tag lang nichts machen und trotzdem zu allem eine Meinung haben. Mein politischer Chef gehört zu dieser Sorte.
Fazit: Die Anfangs Achziger aus dem Bordeaux – ausser es wären die grossen bordelaiser Schlossweine – austrinken oder in den Schüttstein kippen. Länger lagern mags nicht leiden. Und zum Schluss noch dies:

Von Ärzten, dem Buch „St. Gallen for Gourmets“ und der kecken 2005er Australierin „Yalumba“

Nachdem ich mich den halben Morgen mit den „sogenannten“ Göttern in weiss am Universitätsspital Zürich herumgeschlagen habe und denen im Zusammenhang mit der Behandlung meiner Mutter mit juristischen Schritten gedroht habe, dies vor dem Nachtessen in einem meiner Lieblingsrestaurants von Rapperswil-Jona (dem“Le Jardin“ im Schwanen) und mir vom dortigen Koch eine Unterschrift im Buch „St. Gallen for Gourmets“ geben liess, taste ich nun bei einem Glas Wein und bei ruhiger Klaviermusik in der warmen Stube den Yalumba Barossa Shiraz. Yalumba wurde mir von meiner Arbeitskollegin Priska S.* am Vortag überreicht mit dem Auftrag, meine Meinung hierzu abzugeben. Draussen gleiten langsam und behäbig - nach einem herbstlichen Tag - dicke Schneeflocken vom Himmel, decken die Landschaft in ein weisses Kleid und viel Ruhe ein und das Kerzenlicht in meinem Wohnzimmer verströmt eine geborgene, wohltuende Wärme. Eben genannte Yalumba ist übrigens 3 Jahre alt, kommt aus Australien und gilt dort als eine der besseren Weindamen. Bewaffnet mit Kugelschreiber und einem Block setze ich mich hin und beginne diese Tasting Note zu verfassen. So viel zur Einleitung….

Nase:
Schöner, kalter Rauchton, satte Erdbeeren mit viel Gewürzen (u.a. getrocknetem Thymian) und opulenter Blume, viel Sonne und fleischiger Note, viele schwarze Kirschen, unterlegt mit einem beerigen Touch und malzigen - mit grünen Baumnüssen unterlegtem - Finish . Filigranes Tanin umschlängelt bei dem Ganzen meine leicht trockene Nasenhöhle….

Gaumen:
Das französische Fass legt sich mit einer 60 prozentigen Dominanz ins Zeug, wobei mir die anderen 40 Prozent des amerikanischen Fasses im Mund eher beiläufig entgegentorkeln. Dann Zedernholz, welches etwas mehr Muskeln zeigen dürfte. Langes sehr starkes Abtreten mit dem unendlichen Wunsch meinerseits, hier noch ein wenig mehr Pelz auf der Zunge spüren zu wollen. By the way: Gestern hatte meine Muter ihren 67sten Geburtstag, dazu habe ich zum Nachtessen den 1996er Sassicaia aufgemacht und gekocht habe ich dazu ein 250 gr. Lammnierstück an einer Bundzwiebelsauce (zu finden auf meiner Homepage). Yalumba wäre hier jetzt wohl das absolute Gaudi dazu gewesen …... hätte ich doch bloss gestern Yalumba aufgemacht und nicht den Sassicaia.
Aber eben ….  Man(n) lernt nie aus.


Fazit:
In der reduktiven Phase zu verschlossen, braucht lange, um sich zu öffnen, hat dann aber dieses schöne, wohltuende „I am staying with you tonight“ Feeling in mir geweckt. Eine süffige Australierin, welche mit ihrem gaumenfüllenden Body bei mir im Euro Cave den Stempel draufkriegt: „Dich habe ich kennengelernt“ und „Dich trinke ich schnell“!

Eine neue (Wein)Wegbegleiterin wurde an meine Seite gestellt….
Danke Priska für den Auftrag „Yalumba“ zu tasten!


*Name dem Verfasser bekannt

Eine Bedienung, welche die Wörter „Lammfilet mit Kräuterbutter auf einem heissen Stein“ wahrscheinlich nicht einmal buchstabieren kann

Ich sitze in einem spanischen Restaurant in der Rapperswiler Altstadt und bestelle die Weinkarte. Als erstes fällt mir auf, dass der Tisch wackelt. Als zweites, dass das Blumengesteck rechtseitig von mir halb über den ganzen Tisch hängt. Beides wird von einem mit iberischem Akzent sprechenden Kellner auf meine Intervention hin behoben. Dann bringt mir der Kellner die verlangte Weinkarte. Und auf dieser Karte hat es die ganze Palette Wein-Mainstream von gestern bis heute, die Weine sind eingängig und langweilig, viele Weichspülerweine aus der Wühlkiste von Robert Mondavi (seelig), dann noch in bunter Abfolge einschläfernde Rotweinselektionen aus Spanien.
Nach kurzem Studium sage ich: Den Hauswein bitte. Rot! Dazu will ich die „Lammfilet mit Kräuterbutter auf dem heissen Stein und Tagliatelle“.

Nach 7 Minuten erhalte ich einen 1998 Gran Reserva mit harten Gerbstoffen und völlig unterkühlt, wie frisch aus der Tiefkühltruhe gezogen. Nun denn…. Warten bis er chambriert ist und dann nochmals schauen, denke ich mir.

Nach 10 Minuten im Glas folgendes:

Immer noch kühl, also muss ich noch mehr des Buketts in meine Nase hochziehen, um endlich an die Blume heranzukommen. Echt penibel! Ferner wirkt dieser Grand Reserva ausgezerrt, animalische Züge, dann Malzspuren mit barocker Ausrichtung. Ein eigentlicher Genussbremser. Im Gaumen liegt er mässig auf, der Wein verlangt hier nach einer massiv erhöhten Frustrationstoleranz, da er Null Schub mehr hat. Ich studiere die Etikette hinter dem goldenen Netzchen, welches die Flasche umgibt und komme zum Schluss, dass dieser Hauswein – den Namen habe ich wieder verdrängt - wohl eher den Alkoholikern am Stadelhofen zur Verfügung gestellt werden sollte, als hier als Hauswein zu figurieren.
Fazit: Bei diesem Wein gehört der schlecht betörende Geschmack dazu wie das Bleichemittel zu Michael Jacksons Gesicht.

Als dann auch noch ein Musikduo zu singen und spielen anfängt, schlägt’s dem Fass vollends den Boden raus. Er zupft an seiner Harfe herum wie einer, der hart an der Grenze ist die Kontrolle zu verlieren und sie trällert schmierige Noten vor sich hin, wie wenn sie in der Waschküche dreckige Wäsche sortiert.
Hingegen gut gelungen waren die Lammfilet mit Kräuterbutter auf dem heissen Stein. Aber da kann man de facto eigentlich auch nicht viel falsch machen, denn der heisse Stein kocht ja die Lammfilets.