La Vigna di Gragno 2000 von Colline Lucchesi

Man hat mich zu einem Wine & Dine bei Freunden eingeladen, wo es manchmal auch weinmässig zu und her geht wie im alten Rom. Aber das macht die Sache unerhört sympathisch! Und die Gastgeberin hat sich wieder einmal mächtig in's Zeug gelegt. Als Starter gibt es Nüsslisalt mit Ei und Rotzungenfiletstreifen , dazu kredenzen wir einen Prosecco von Phlip Schwander. Der Blubberlidrink hat happig viel Apfelgeschmack, eine leicht unruhige Perlage, welche sich dann aber sehr schnell ausdünnt. Ich frage mich dabei: Wieso hat man da Kohlensäure reingeblasen, wenn man sie nicht im Glas wahrnimmt? Eigentlich hätte ich hier ja gerne das leicht prickelnde im Mund gehabt, dafür habe ich einfach nur so etwas wie „Süssmost“ im Gaumen. Muss mal den Schwander fragen, was er sich dabei gedacht hat, als er diesen Prosecco in's Sortiment genommen hat.
Zum Hauptgang wird Kalbshaxe nach mediterraner Art mit Polenta und grünen Bohnen gereicht. Dazu ein Wein, welcher mir besonders auffällt. Er fällt mir deshalb besonders auf, weil ich ihn a.) nicht erkenne und b.) es eine Lese ist, welche ich so noch nie hatte. Ein reiner Merlot aus der Toskana - und das ist das unübliche an der Geschichte - bei welchem ich einen kleinen Romantikflash habe. Und was rieche ich? Pflaumen, französisches Barrique, generell sehr beerig mit sauber balanciertem Säuregerüst. Der Taningehalt geht schon etwas ins brutalomässige, aber dafür hat der Wein auch noch ein sehr gutes Potenzial (weitere 10 Jahre) mit viel Biss.
Mit CHF 17.50 sehr gut in der Preisfestlegung! Edi Graf von der Weinhandlung In Vino Vita in Stäfa hat dieses Baby gefunden. Gute Trouvaille kann ich da nur sagen!

Das önologische Hammergaudi von München

So sah der Tisch nicht lange aus .....

Wie die letzten Jahre auch, finde ich mich zur 1997er 10 Jahresvergleichsprobe in München-Pasing ein. Heuer stehen 34 Weine zur Auswahl, welche wir - wie immer blind - verkosten sollen um herauszufinden, um welchen Wein es sich handeln könnte. Alle '97er stehen im Salon aufgereiht vor uns und wir beginnen. Und ausnahmsweise fasse ich hier nicht nur eine Selektion der verkosteten Weine zusammen sondern gleich alle, weil sich dieses Mal auch die neue Welt darunter befindet:

Bordeaux:
La Mondotte / Ausone / L'Eglise Clinet / Canon-La-Gaffeliere / Pétrus / Tertre Roteboeuf / Pavie-Macquin / Latour / Le Boscq / Léoville-las-Cases / Mouton-Rothschild / Clos de L'Oratoire / Lafite-Rothschild / Haut Brion / Poujeaux / Cos d'Estournel / La Mission-Haut-Brion / Beau-Séjour-Becot / Margaux / Grand-Puy-Lacoste

Weltweine:
Grange Bin 95 / Phleps Insignia / Philippi Pinot Noir "RR" / Napa Valley, Meritage, St. Supéry / Bate's Ranch CS, Ahlgren, Santa Cruz Mountains / Napa Cabernet-Sauvignon, Phleps / Fontalloro / Barolo Brunate, Bricco Rocce / Sassicaia / La Poja, Allegrini / Clos de La Roche, A. Rousseau / Bricco dell`Uccellone / Amarone Classico, Brigaldara / Granato     


Dispositiv:
Die '97er machen Spass, haben aber im Quervergleich zu sich selbst und den '96ern wenig Differenzierungspotential. Keine überschminkten vordergründigen Weine, alles stramme Bengel mit phasenweise gutem Hang zur Breite. Die Italiener machen mir auch einen pfiffigen Eindruck, besonders schön sticht der Sassicaia heraus. 

Dann das Nachtessen, wo es unter anderem ein Forellenstrudel gibt. Das Spezielle hier ist, dass dieses Strudel sich nur aus Seibling, Eiern, klein gehackten Pilzen und Blätterteig zusammensetzt, aber eine geschmackliche Kompaktheit hat, dass man meint, hier wäre ein 5 Sternekoch am Werk gewesen. Un dann kommt noch der absolute Gaudihammer! Der Gastgeber holt ohne lange zu zögern den '83er (Jahrhundert) Margaux aus dem Keller. Ich habe in meinem Leben ja schon viele durchgeknallte Sachen gemacht, aber das hier topt alles. Ein Wein zu präsentieren nach 40 Weinen, der bei Parker 95 Punkte holt und die reine Perfektion darstellt. 
 
Es bleibt wieder einmal - um 1 Uhr morgens ein auch leicht vernebelter - Eindruck, den man nicht wieder vergisst und das Bedürfnis, dem Gastgeber für diesen Anlass sehr, sehr, sehr lange die Hand zu schütteln und sich tief verbeugend für alles zu bedanken.

Wer einen Hauptdarsteller für sein nächstes Wine & Dine sucht, hier ist er!

Eine Kollegin meint es gut mit mir und schickt mir zwei Weine, den „G“ 2004 und den Schwarz Rot von Hans Schwarz aus Andau, ebenfalls 2004.

Als ich letzteren in Händen halte, folgendes: Leuchtende Augen allenthalben und der flehentliche Blick zum Weinglas, wie viel da reinmag! Wieso das? Erst einmal hatte ich den Schwarz bis dato, und ich erinnere mich genau, denn er ist mir sehr potent in Erinnerung geblieben, daher taste ich jetzt sogleich:
Zurückhaltender Auftakt, typische Zweigelt-Aromatik mit Pflaumen und Cassisdüften , hin und wieder ein Schuss Zitronengras mit einer milden Gerbstoffstruktur, in allen Schichten sauber und elegant aufgebaut, leichte Würzigkeit mit sattem Schmelz und druckvoller Konsistenz am Gaumen. Gutes Säuregerüst. Schön wieder einmal einen authentischen Wein zu trinken, der der allgemeinen Standardisierung im Weingeschmack entgegentritt! Was isst man zu einem solchen Wein?
Mir kommen meine provençalischen Lammcarre in den Sinn. Das könnte hinhauen! Jedoch mit dem Dijon-Senf sachte umgehen, sonst gibt's einen gaumentechnischen Crash....
In's Rotieren komme ich bei den Fässern, in welchen der Wein gelagert wurde. Das Holzmanagement ist sehr speziell, feines Vanille - dezent im Hintergrund - hier hätte ich gerne etwas mehr Holz gehabt, aber der Wein ist derart genial, dass man diesen Wunsch gleich wieder vergisst.

So und nun ist es Zeit für das Geständnis, liebe Gabriella:
Mein Keller wird mit ein paar Kisten davon aufgestockt!

www.thebutcher.at

Wie es eigentlich nicht sein sollte!

Nachdem ich am Zürifäscht am Vorabend genügend Bier und Gaypirinha zu mir genommen habe , mache ich heute Abend wieder einmal einen Wein auf. Aus diesem Grunde finde ich mich mit zwei Flaschen bei Ingrid und Rolf zur Verkostung folgender Weine ein: 

Domaine Saint Antonin, Faugères, 2004
Nase:
Kirschen, Erdbeeren, erinnert mich an diese Erbeerschleckstengel, welche ich als Kind jeweils ass. Der Wein liegt knallhart auf dem Alkohol auf, dann reduktive Tendenz. Was schwach angefangen hat lässt hier mit der Zeit auch noch stärker nach. Wir karaffieren, weil wir nicht sicher sind, ob er nicht doch noch zur Geltung kommen wird oder will. Daraus wurde leider nichts. Er ist und bleibt einfach, die Fruchtnoten verschwinden gänzlich. Das einzige was hier noch zu gefallen vermag ist das Terroir, welches man wahrnimmt.
Gaumen:
Abgestanden, pelzig, dünner Aufbau, weder Druck noch sonst eine schöne Konsistenz zeigend. Schade!
Dispositiv:
Der Wein kann für eine Spaghettisauce gebraucht werden.


Wir schreiten zur zweiten Flasche: 
Mas de Martin, Coteaux de Longuedoc, 2004, Montpellier

Mit Languedoc konnte ich noch nie viel anfangen, die Weine haben eine Eigenart die man schon sehr gerne haben muss. Bei diesem Wein bestätigt sich dieses Urteil, ich kann dem Wein nichts positives abgewinnen. Auch hier wird wieder karaffiert:
Nase:
Im Hintergrund ist irgendwo eine leichte Holznote warnehmbar, welche sich langsam entfaltend wieder in der Ferne verschwindet. Brombeeriger Touch, fleischig im Auftakt, wirkt maskulin, in der Nase nicht nur Waschpulver, sondern auch noch den dazugehörigen Karton, am Gaumen ziemlich nichtssagend.
Die Säurestruktur ist gut gelungen, da gibt es nichts zu meckern, aber der Rest! Die einzigen Komponenten die wir wahrnehmen: Beeren / Holz. Fertig. Auch nach dem Gaumenkontakt ein vernichtendes Urteil: Kein Potenzial.

Dispositiv:
Ein Wein mit Problemen .....


Wein 3:
Da wir uns nun keine Flops mehr zumuten wollen, holt Rolf einen Wein, wir verkosten wieder verdeckt. Ich tippe auf einen 10-jährigen Italiener wegen des Holzmanagements und des Terroirs.
In meinem Riechorgan darf ich folgendes zur Kenntnis nehmen: Etherisch, würzig, wenig Frucht. Schöne Adstringenz, malziger Abgang mit generell viel Schmelz. Schade, dass die Fruchtkomponenten so zurückhaltend sind, da hätte ich gerne mehr gehabt. Wir decken auf.
Es handelt sich um den Ronco dei Quattroventi 1999 von der Fattoria San Francesco www.fattoriasanfrancesco.it
Auch hier haut es mich nicht vom Sessel, aber immerhin schmeckte er bei aller Fülle nicht gewollt und gekonnt. Beim Kauf muss er sicherlich etwas schönes gehabt haben, sonst hätte ihn Rolf nicht gebunkert. Aber hier sollte er die Bestände jetzt abbauen. Länger lagern macht keinen Sinn.


Wein 4:
Verführung, Cabernet Dorsa trocken, Von Gaisberg, Remstal-Stuttgart 2004, den ich bei mir hole.

Es geht weiter im Jammertal der Enthaltsamkeiten, wo man vergebens einen önölogischen Orgasmus sucht! Diese Flasche war trotz äußerlich einwandfreien Zustandes inhaltlich kaputt, Champignonnase, am Gaumen nasse Wolle, zerflederte Struktur die immer übler wurde. Mehr gibt's dazu nicht zu sagen.

Das schönste an diesem Abend war, dass die Grillen gezirpt haben und wir trotz allen Weinflops bei guten Gesprächen die Abendstimmung genossen haben.

VIELEN, VIELEN DANK!

Peter & Doris Spirig-Graf und Christopher Bünzli, Quellenhof Bad Ragaz, 28. Juli 2007

Dies meine einführenden Worte an das Hochzeitspaar dieses speziellen Tages. Es heiraten meine langjährige Kollegin Doris Graf und ihr Verlobter Peter Spirig in Malans. Nach einer sehr schönen Trauungsfeier gehen wir in den Apéro, welcher keineswegs von den Hochzeitsgästen vergessen werden wird. Er findet auf der Fahrt mit einer alten Dampflokomotive und den entsprechenden Wagons der RHB von Malans nach Davos statt, von wo wir wieder nach Bad Ragaz in's Grand Hotel Quellenhof zurückkehren, um dort das Nachtessen einzunehmen. Und hier beginnt ein kulinarisches Feuerwerk, gekoppelt mit zwei sehr guten Weinen!

Doch lesen Sie selbst:

Als Starter wird eine Gazpacho-Terrine auf mariniertem Mozzarella mit Rohschinken und grüner Sauce serviert. Dazu lasse ich mir den Fläscher Pinot Blanc 2006 vom Weingut Davaz einschenken. Ich denke im ersten Moment: Ein 2006? Junges Kerlchen, wenn man sich dazu die Geschmackskombination des Starterganges vor Augen hält. Aber es passt. Der Pinot blanc kommt frisch und fruchtig daher. Einer am Tisch meint, er rieche hier einige Weichselkirschen. Ich frage mich: Was hat der denn für einen Fruchtsalat im Glas? Und wie riechen Weichselkirschen überhaupt? Daher folgendes, liebe Leser: „No fruitsalad in your tasting notes!“ Und das präsentiert sich hier im Glas auch nicht. Ich habe einen schlichten, eleganten Wein - welcher sich perfekt an fast alle Geschmacksrichtungen der Gazpacho-Terrine anpasst - vor mir. Bei der grünen Sauce hat er Mühe, aber das ist verzeihbar, der Koch ging hier ja auch an die allerletzte Grenze einer möglichen Geschmackskombination.
Bei der Rieslingschaumsuppe wird die Nagelprobe für den Pinot blanc dann sehr hart. Zu viel Säure dominiert den Wein, das irritiert, weil das liebliche des in der Suppe eingekochten Rieslings weggedrückt wird. Aber er besteht einigermassen. Irgend jemand am Tisch meint, dass das ein vorzüglicher Wein zu dieser Suppe sei. Ich komme mit meinem Gesprächspartner zur linken zum Schluss: Dem hat der Alkohol das Gehirn zerstört, wenn er so etwas rauslässt oder der, der da gerade gesprochen hat, leidet an einer generellen Geschmacksverklitterung.
Beim „Zweierlei vom Heidiland-Kalb mit Portweinsauce und Trüffelpolenta sowie gebratenen Buschbohnen“ dann ein 2005 Maienfelder Blauburgunder Barrique von Markus Stäger. Ich studiere. Markus Stäger, den Namen kenne ich. Und dann fällt es mir wieder ein. Vor vier Monaten war ich genau in diesem Saal - in dem ich jetzt mit Peter und Doris, sowie vielen anderen geladenen Gästen ihre Hochzeit feiern darf - am Weltweinfestival. Und dort habe ich mich am Stand von Markus Stäger um diesen Wein bemüht, aber keinen gekriegt, weil er keine Flaschen mehr davon hatte. Nun kriege ich ihn also doch noch und das Highlight des önologischen Tages ist geboren. Er passt einfach perfekt zu diesem Essen. Kein alter Wein in neuen Schläuchen, dieser Wein erinnert mich an Innovation, er hat Konzentration und Aromenreichtum sondergleichen. Ein reintöniger Blauburgunder mit eleganter, schöner Struktur und finessenreicher Frucht und einem Toasting das extrem sexy daherkommt. Und das mag ich in der Kombination zu diesem Essen. Blauburgunder verträgt ja sowieso keinen eigenen Pomp, daher darf er zum Heidiland-Kalb mit der Trüffelpolenta gereicht werden! Und diese Polenta ist derart genial mit Trüffeln versehen - nicht zu viel, nicht zu wenig - dass ich mit niemandem am Tisch mehr das Gespräch suche, sondern nur noch geniesse :-)
Als Dessert reicht die Küche ein Toblerone-Mousse mit Milchkaffe-Eis. Und leider war das auch schon der Abschluss des Essens und der Weine, aber die haben es dafür in sich gehabt.

Fazit:
Fläsch, Meienfeld und Bündner Herrschaft: Ihr habt einen neuen Feriengast. Und als definitiven Abschluss bleibt mir dem Hochzeitspaar VIELEN, VIELEN DANK zu sagen für einen wunderschönen Tag und einen sehr gelungenen Abend in Bad Ragaz und euch beiden auf eurem weiteren, gemeinsamen Lebensweg viele schöne, kulinarische Stunden zu wünschen!