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v. l. n. r.: Guy Wais (CEO Rothschild Bank Zürich), Frau & Herr Mathieu (Lausanne), Ernst Furrer, Thomas F. Husemann (CFO) und Christopher J. Bünzli
Ich erhalte täglich viele Anrufe. Doch als mich der CEO der Rothschild Bank AG anruft und fragt, ob ich an einer Burgunderdegustation im grossen Speisesaal der Bank teilnehme, verhaut es mir die Sprache! Zweck des Tastings: Die Weissweine für Kundenessen in der Bank selektionieren. Geehrt, von einem Mann der als einer der grössten privaten Weinkäufer auf dem Platz Zürich gilt, für so etwas angefragt zu werden, kommt dem Feeling gleich, wie wenn ich an den Château Mouton-Rothschild Tastings auf dem Üetliberg teilnehme. Wo liegt die Gemeinsamkeit? Dort realisiere ich auch erst einen Tag später, was wirklich abging. Punkt 12.00 Uhr finde ich mich in vorerwähntem Saal ein und habe gleich als erstes die Möglichkeit mit dem Weinlieferanten über die „blancs" und „rouges" zu reden. Herr Mathieu erklärt mir kurz, was uns erwartet: Les blancs: 4 Chablis (davon eine 1996 Magnum), 1 Sancerre blanc und 1 Hermitage Les rouges: 1 Corton, 3 Chambertin und 2 Prioratweine „Christopher, das wird harte Arbeit!", denke ich.
Wir degustieren in erwähnter Reihenfolge, bei den Chablis habe ich gemäss Herr Mathieu, einen hohen Erkennungsrad. Ich rieche folgendes: Kalk, mineralische Noten, Anflüge von Nüssen, Vorderschinken, Menthol, phasenweise kalter Cheminéerauch. Alle präsentierten Weine sind in ihrer Struktur schlank, bis auf die 1996 Magnum, welche abgestumpft daher kommt, also kein Rubens. Sie passen alle sehr gut zu Meeresfrüchten. Bei den Roten folgendes, wobei sich der Corton extrem von den anderen abhebt. Animalisch, fast schon schweissige Noten. Die Chambertins legen Himbeertouch, orientalische Gewürzmischungen an den Tag. Und schliesslich noch die Prioratweine. Nase und Struktur: Intensives Kirschrot mit dunklem Kern, üppiges Bouquet von reifer Frucht, Dörrobst, Schokolade, Lakritze, dezente Mineralität, schön verwobene Struktur, dicht im Gaumen, opulentes Tannin. Nach der Degustation das Mittagessen. Vorspeise: Seeteufel und südafrikanische Scampi an einer Kokosmilch-Sahnesauce mit dezentem Ingwer und Zitronengrasgeschmack, dazu den Chablis Magnum. Leider fehlt ihm die Kraft, gegen die Sauce anzukommen. Beim Hauptgang: Hirschfilet und Dinkelbulgur an einer Steinpilzsauce mit Kardamone, dazu trinke ich den 1997 Chambertin. Dessert: Geschälte, entkernte Trauben, mariniert mit Marc (weisser Brantwein) serviert in Form eines gratinierten Sorbets. Hier hätte ich am liebsten einen Rivesaltes oder Jurançon getrunken. Ich schlage das unserem CEO auch vor, worauf dieser meint: „Ja das könnte man machen. Aber wissen Sie, Herr Bünzli, wir sollten nach einem Inhouse-lunch mit oder ohne Kunden noch nüchtern am Arbeitsplatz erscheinen." Und er sagt dies mit einem Lächeln im Gesicht, augenzwinkernd Ich lächle zurück. „Nüchtern?" denke ich. Heute ausnahmsweise nicht.
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Von Schnorris und dem unermesslichen Spektrum der Vorstellungskraft
Man(n) geht an eine Degu und verkostet dort spanische Weine. So tat ich es gestern Abend an der "Dia del Vino Espanol" im Kongresshaus. Beim Stand von Alexander E. Bäggli stehen links von mir 3 "Kenner" und brabbeln beim Verkosten eines '99er Toro, Dehesa La Granja etwas von "Sensationell!" und "Wow, nöd schlecht!" Dann meint einer der drei, nennen wir ihn Degustationskamerad (DK) 1: "Jeder Spanier stinkt nach Eichenfass!" Der Verfasser dieser Zeilen denkt sich hier: Das ist doch eigentlich nur im Bordeaux so, aber da habe ich anscheinend 10 Jahre an den falschen Weinen gerochen. Dann doppelt DK 2 nach: "Nein, hinten raus stimmt was nicht, da ist Salatsauce im Spiel." Der Händler - verdutzt - an zwei Flaschen des gleichen Jahrgangs riechend: "Sorry, aber die haben genau das gleiche Bouquet." Bei unseren Degustationskameraden kommt allgemeine Verunsicherung auf, da steht auch schon der Chef persönlich da, die Figur einer Birne, unsere Blicke kreuzen sich, der Blick zweier Leute trifft sich, welche schon viele Weine verkostet haben. Und dann die Killerfrage der Birne an DK 2: "Hatten sie vorher einen Kaugummi im Mund, dass sie hinten raus Salatsauce riechen?" Ein Wischi-Waschi Ausbruchsversuch der Laien beginnt: DK 3: "Da stimmt tatächlich etwas nicht. Echt komisch, aber ich rieche das auch." DK 2: "Ja als ich damals bei meinem Onkel auf seinem Weingut in der Toscana..." Müdes Lächeln der Birne an mich. Und zurück! Bin in Gedanken in Spanien, finde den Wein genial, keine Salatsauce, dafür viel Erde, Bärlauch, getrocknete Blumen, Pferd, staubiges, Paprika. Dann der Versuch meinerseits, unseren anwesenden Kennern doch noch einen Tribut zu zollen, indem ich mir diese Salatsauce vorzustellen versuche. "Salatsauce, S a 1 a t s a u c e! Wo bist Du Salatsauce, bitte melde Dich! Ja, ja hmm ein Anflug von SALATSAUCE! Ultimativ, je mehr ich es mir vorstelle!!! Erkenntnis: Weine müssen Spass machen, man kann Salatsauce suchen und wenn man will, auch finden. Nun was soll ich denn dazu noch sagen? Dass es viele Leute gibt, welche gerne angeben und viel daher reden? Ich verlasse die Degustation und zünde mir eine Zigarette an. Und siehe da ich habe im Abgang einen Touch Lavendel im Gaumen! Sehr interessant ...
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Normalerweise mache ich das ja nicht, aber seit ich mich nach einer 9-jährigen Beziehung von meiner Partnerin getrennt habe, muss ich für mich selbst kochen und den entsprechenden Wein dazu auch alleine trinken. Ich beschliesse am Ostersonntag, nachdem der Papst allen ein schönes und gesegnetes Osterfest gewünscht hat, mir im Keller einen x-beliebigen Wein zu holen. Dort der Zufallsgriff nach einer Flasche, ich halte einen 2001 Ermita de Petrer in der Hand und denke mir: Wo hab ich den bloss her? Wahrscheinlich aus einem dieser vielen Degupackete, da es in meinem Keller nur eine Flasche davon gibt.Komme zum Schluss, den Rest des Abends mit dem Ermita zu verbringen und mir dazu etwas zu kochen. Auch nach dem Zufallsprinzip, was ich im Kühlschrank eben so finden werde. Im Lift Studium der Etikette: „Crianza" steht da! Habe schon die ersten Zweifel, ob das ein schöner Abend werden wird, weil mir Crianza Weine noch nie gefallen haben. In der Küche die Überlegung, was ich kochen soll. Problematisch! Meine Ex hätte mir jetzt sagen können, was dazu passt, aber eben. Sie ist die Ex und anrufen geht nicht, weil sie den Wein verkosten müsste, im Übrigen ist sie im Salzkammergut bei Verwandten zu Besuch. Also schaut Single Bünzli in den Kühlschrank und ........ ER IST L E E R Was jetzt? Moment! Nachdenken. Habe ich da nicht letzthin in der Schublade rechts unten eine Konservendose gesehen? Schublade auf und tatsächlich: Eierravioli aus der Migros. Nein, denke ich mir, das kann ich nicht machen. Ravioli aus der Büchse und dazu ein Zweitausendundeiner Crianza? Stilbruch total! Ok... vielleicht doch. Es sieht's ja niemand und eine Tasting Note muss ich ja auch nicht unbedingt schreiben. Ich koche die Ravioli (5 Minuten) und verkoste den Crianza (49 Sekunden). Dann die Vermählung der Ravioli mit dem Crianza ........mein Gaumen! kommt zum Schluss ......... Nachdegustation! Vielleicht habe ich mich ja geirrt ....... Nein, kein Irrtum; die zwei ... passen tatsächlich zusammen! ! Nun, ich kann nur festhalten: Crianza & Eierravioli aus der Dose, von der Migros - es dürfen aber auch welche aus dem Coop sein - für Singels und wenn's mal schnell gehen muss, keine schlechte Sache.
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Es ist sommerlich warm, die Magnolienbäume blühen und ich bin auf dem Weg an eine Portugaldegustation am Neumarkt. Absolutes Neuland für mich, da ich lebtags noch nie Weine aus dem Teil von Europa verkostet habe. Wir fangen bei den Weissen an und bereits der erste Fehltritt meinerseits als mich der Önologe fragt, welche Traubensorte es sein könnte: "Sauvignon Blanc!" "Oh no Sir, we have no Sauvignon Blanc in Portugal!" Es ist Touriga Nacional, was sich für den Nichtsportler Bünzli anhört wie der Name eines brasilianischen Fussballclubs. Ich beschliesse die Roten zu probieren, von denen ich mehr verstehe. Ich verlange einen Esporao Reserva Vinho Regional Alentejano 2002, wovon ich nur das "Reserva & 2002" richtig ausgesprochen habe. Ich verkoste: In neuem Eichenholz ausgebaut, feminines Tannin, viel Sonne abbekommen, Assoziation zu meinem ersten Villa Antinori, den ich einmal in einer Pizzeria in Glarus getrunken habe. Liebliche Sache, für am Abend, ohne Essen, mit 19.50 CHF gut im P-L-Verhältnis. Auch bei der Etikette hat man sich was einfallen lassen. Da könnte man meinen, die hätten bei den Moutons abgeschaut, welche auch gerne in farbigem Kleid daherkommen. Summa summarum: Portugal produziert "potente" Weine, welche sehr machomässig daherkommen. Man sucht lange bis man den "Richtigen" findet, aber es gibt ihn. www.esporao.com
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