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Das Fitnessabo oder Samstage des ungenierten Torkelns
Es treten heute Abend an: Champagner von Marinan (Frankreich) / weisser Merlot la Contrado (Tessin) / Scheurebe (Nuolen) / weisser Rioja Viña Tondonia Blanco Reserva (Spanien) / Chardonnay Schloss Salenegg (Maienfeld) / Donatsch Unique (Malans) / Merlot Balin von der Cantinetta Kopp von der Krone Visini (Tessin) und die edelsüssse Scheurebe (Nuolen)
Heute habe ich Judith und Christoph zu einem „Grill Wine & Dine“ geladen, wo ich mir etwas neues habe einfallen lassen. Es treten Weissweine gegeneinander an, die in ihrer Machart und ihrem Bouquet unterschiedlicher nicht sein könnten. Es sind dies: 2007 Merlot bianco la Contrado, welcher durchfällt, da er im Vergleich zu den anderen Weinen zu wenig Schmelz hat. Auch hat er keine Chance gegen die ausufernd, druckvollen Bouquets der nachfolgenden Weine. Diese sind: 2004 Chardonnay Barrique vom Schloss Salenegg. In der Nase füllig und würzig, exotische Früchte und dezentes Röstaroma mit viel Mineralität. Dieser Wein kommt schon besser rüber, aber er vermag nicht gegen die 2008 Scheurebe vom Weingut Clerc Bamert in Nuolen anzustehen. Diese mit Äpfeln, Zitrus-Aromen und einem fast in den Wahnsinn treibenden Grapefruitbouqet versehenen Wein kann sowieso fast kein Weisswein die Stange halten. Wieder einmal ein herrlicher Trinkgenuss! Dann folgt der 1990 Viña Tondonia Blanco Reserva aus Spanien, goldgelb im Glas leuchtend. Aromen von Kamille, Akazienhonig, gerösteten Mandeln, Bienenwachs und frischen Kräutern. Leider war das Bouquet etwas belegt, aber er schmeckte dennoch schön rund und saftig mit einer leicht beginnenden Todessüsse im Abgang.
Bei den Rotweinen folgende Slots : 2006 Pinot Noir, Unique von Thomas Donatsch aus Malans. Farbe: Dichtes Pinot-rot, würzige, rauchige Noten, voller, konzentrierter Gaumen, edle Holznote, breite, elegante Struktur. Sein Rivale: 2006 Merlot Balin von der Cantinetta Kopp von der Krone Visini, welcher im Vergleich zum Donatsch überholzt riecht, dennoch wohlriechend und unendlich komplex. Eine solche nasale Intensität spricht Bände insbesondere die Noten vom Unterholz. Die Überholzungsgerüche dürften über die Jahre aber abgebaut werden, immerhin trinken wir hier einen sehr jungen Balin. Tendenziell sollte man jetzt (im Jahre 2010) die 2000er – 2005er konsumieren. Am Besten gefällt Judith der Balin. Anscheinend steht sie auf „potente Weine“, denn sie redet immer davon, dass das hier der “Brad Pitt“ Wein ist! Mir gefällt Donatsch am Besten und bei der Scheurebe aus Nuolen sind sich am Tisch alle einig: "This is a Beauty-Queen!"
Zum Finish folgt die Scheurebe edelsüss (2008), wiederum von Clerc Bamert, welche nasal mit Aprikosen, Birnen, und exotischen Früchtedüften unterlegt ist. Dazu assen wir Baby Spare Rips und gegrillte Folenfilets. Ich habe mir dann auch erlaubt, meinen Gästen einen Zettel hinzustrecken, wo sie hinschreiben sollen, aus welchen Ländern die Weine kommen (die Weine waren verdeckt serviert worden). Christoph bekundet beim Balin enorme Mühe herauszufinden, woher er kommt und tippt auf Australien und Shiraz. Und weil Christoph und ich die gleichen Initialen haben – CB – meint meine Lebenspartnerin "Spatz", dass ich das auf den Zettel geschrieben hätte und brüllt ziemlich laut: „Was häsch dänn da für en Seich anegschriebe? Kännsch nid emal dini eigene Wi?!“ worauf ich erwidere: „Ich han kein Seich anegeschriebe, das isch de ander Christoph gsi“.
Fazit:
Es ist wie mit diesem Fitnessabo, welches ich schon lange einmal lösen wollte. Man kann ein solches Fitnessabo kaufen und nicht ins Fitnessstudio gehen. Dann wird man nicht fit. Man kann ein Fitnessabo kaufen, ins Fitnesstudio gehen und dort einen Orangensaft trinken. Auch dann wird man nicht fit. Oder man kauft ein Fitnessabo und geht ins Fitnesstudio, trainiert dort an den Maschinen, bis man fit ist. Man muss also die Hanteln selbst in die Hand nehmen. Und so ist das auch beim Wein. Den Wein selbst in die Hand nehmen, viele tolle Weine verkosten und man bleibt fit auch wenn es dann hin und wieder Samstage des ungenierten Torkelns gibt.
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Die Malzbombe aus dem Jahre 1895
Bünzli schnüffelt, arbeitet, schreibt & bewertet. Spatz kritisiert!
Viele Dinge im Leben machen keinen Sinn, aber es gibt Dinge die machen sehr wohl Sinn. Zum Beispiel einen Cabernet Sauvignon Port aus dem Jahre 1895 aus der Massandra-Kollektion trinken. Dies tun mein Pendant und ich heute Abend in der Bündnerstube im Zürcher Mövenpick an der Nüschelerstrasse mit Sigi Hiss und Jürg Richter, welcher die Weine organisiert hat. Nachfolgend wie mein Pendant und ich diverse Jahrgänge erlebt haben:
1940 Alupka White Port:
Spatz meint: Schmeckt nicht! Bünzli meint: kuschelige Sherry-Aromtik mit Karamel und leicht sultaninigem Anflug, brachiale Süsse, hoher Druck am Gaumen. Ein Wein, den man auf einem Tigerfell liegend vor dem Kamin mit seiner Allerliebsten trinken sollte. 18/20 Punkte. Austrinken!
1948 Cabernet Sauvignon White Port:
Spatz meint: Schmeckt nicht! Bünzli meint: dezente Schwarzbrotaromatik, wenig Kamille im Auftakt, Marzipan mit saftiger Nase. Im Gaumen immer noch gute Säurestruktur mit langem holzigem Finish 19/20 Punkte. Austrinken!
1952 White Port Crimea:
Was Spatz meint, brauche ich hier nicht zu wiederholen, siehe oben. Bünzli meint: herrliches Vanille, verführerisches Toasting mit rauchigen Tönen im Abgang, Honig, viel Schmelz, wenig Muskeln zeigend, mineralische Töne. Brutal langes Finish, hier stimmt alles. 20/20 Punkte. Crimea steht hier übrigens für die Halbinsel Krim. Austrinken!
1936 Madeira:
Spatz meint: siehe oben. Bünzli meint: Sowohl dieser Wein, wie auch der nächste (siehe nachfolgender Beschrieb) tendieren im Anfang ins cognacmässige, sehr alkoholischer Auftakt, enorm oxidativ mit vielen Bitterstoffen, postoperative Medizinalgerüche, Pflaster-Strips, wenig Zucker.
1939 Madeira:
Spatz meint: siehe vorne. Bünzli meint: wenig Karamel, ranzige Käserinde, typische Madeira-Stilistik mit langem Holzfinish, generell gut und geil eingebettetes Holz. 19/20 Punkte. Austrinken!
Und bei diesen beiden Madeiras liegt auch der Unterschied zu den ersten drei Weinen. Liebhaber von Weinen mit höherem Zuckergehalt werden hier die Nase rümpfen, weil die Weine nicht lieblich süss wirken. Anschauungssache ob man sich mit solchen Weinen auseinandersetzen will! Mir jedenfalls gefallen solche Weine ebenfalls eher weniger, sie sind aber zum Verkosten eine gute Übungssache zwecks Training des eigenen Riechorgans.
1932 Red Port:
Spatz meint: Siehe vorne. Bünzli meint: reduktive Nase, ledrig, ausgedünnt & anorexisch (also nicht rubensmässig oder burgundisch), dennoch immer noch mit gutem Druck am Gaumen. Ein schwieriger Kandidat. Wie beim 1939 Madeira ist das hier präferenzabhängig des Konsumierenden. 17/20 Punkte. Austrinken!
1936 Red Port Livadia:
Spatz meint: Grusig! Bünzli meint: geschälte Orangenhaut, keine Struktur mehr, ein Querulant , dann korkt das Ding auch noch, daher keine Punktierung. Livadia ist übrigens der Ort und die Lage des Weines. Ausleeren!
1938 Ayu-Dag Cahors:
Spatz meint: Ui, dä isch schön! Bünzli meint: Nach all den Jahren immer noch extrem taninhaltig, Waldhonig, wie beim Madeira Medizinalgerüche, ausklingender Sultaninengeruch, Kirschen, fleischig im Gaumen, weniger Body zeigend als der nachfolgende Wein. Ein Tango auf der Zunge, gefällt mir gut, daher kaufe ich gleich drei Stück davon. 19/20 Punkte. Noch wenige Jahre lagerbar, dann austrinken!
1895 Cabernet Sauvignon Port:
Spatz meint: Dä gfallt mir am Beschte! Bünzli meint: Mir auch, vor allem der Preis! Und hier noch der Beschrieb dazu: schwache feine Sultaninen, dezentes Harz, erinnert an die Nase des Hennessy Richard, malzig, angenehm feiner Nerv im Extrakt mit viel Würze, schlichtweg immer noch betörend lieblich, weich und harmonisch. Auch hier kaufe ich eine Flasche. Die trinke ich dann mit meinem Spatz zu unserem 2 Jahresbeziehungsjubiläum im kommenden Dezember unter dem Weihnachtsbaum. 20/20 Punkte.
Bilanz eines Abends mit alten Weinen:
Wir assen vor der Probe im Mövenpick Caveau an der Nüschelerstrasse (welches ich nicht empfehlen kann, weil zu teuer für was man geboten bekommt und das Essen nicht schmeckt) zu Nacht. Und nach der Probe fragt mich Spatz folgendes: „Wieso haben wir eigentlich dort unten im Caveau zu Nacht gegessen, für schlechtes Essen viel bezahlt, wenn wir im Anschluss daran 2'000 Kalorien trinken?“ Ich zurück: „Das weiss ich auch nicht ... für mich aber auch kein Problem!
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Wine & Dine mit Bordeauxweinen aus dem Jahre 1970
Es ist wieder einmal so weit: Wir sind in Sempach und werden uns nun den ganzen Abend mit 1970er Bordeauxweinen herumschlagen und versuchen herauszufinden, welcher Wein zu unten aufgeführten Speisen am Besten passt. Im ersten Akt gibt es zum lauwarmen Linsensalat mit gebratenem Wachtelbrüstchen und Wachtelei folgende Weine: Domaine de Chavlier, Château Haut Brion, Château Pichon Baron und Château Ducru-Beaucaillou (wird den ganzen Abend als Tischwein serviert). Haut Brion gefällt hier in einer eher schwachen Serie am Besten. Château Ducru-Beaucaillou wirkt in der ersten Phase – die Weine wurden vor fast zwei Stunden von René Gabriel geöffnet – verklemmt und reduktiv. 2. Akt: Zum „Pot-au-feu vom Gemsi „Sempacherhof“ folgende 70er: Château Calon Segur, Château Palmer, Château Mouton Rothschild und der oben bereits erwähnte Tischwein. Während Mouton Rothschild in der Nase mit Kirschen, Trüffeln und pfeffriger Nase brilliert weit hintem im Glas Kokos und Pflaume, präsentiert sich Palmer extrem vielschichtig und glänzt durch ein herrliches Früchtekompottbukett sowie saftig und fett. Klarer Favorit hier bei mir: Palmer, bei meiner besseren Hälfte ist es Mouton Rotschild. 3. Akt: Zum „Fächer vom Luma Beef Entrecôte mit Sauce Bernaise und Berrichonne Kartoffeln“ (www. lumabeef.ch) reichen Karin und René folgende Weine: Château La Lagune, Château Montrose, Château Latour und wieder der Tischwein als ständige Vergleichsmöglichkeit im Glas Nummer 4. Gleich nach dem Einfüllen des Montrose in mein Glas rufe ich durch das Restaurant René zu: „Der hat Zapfen!“, worauf er erwidert: „Nein, die riechen alle so, das ist bei Montrose kellerbedingt.“ Ich kann dem fast nicht Glauben schenken, da dieser muffige Kellerton mit einem leicht giftig grünlichen Stich mich zu stark an Zapfen erinnert. Meine Nase wird hier sprichwörtlich an die Grenzen des Erträglichen geführt.... Auch unsere Tischnachbarn werden den Verdacht nicht los, dass hier Kork im Spiel ist. Aber René bleibt dabei: „Das ist kellerbedingt!“ Dafür brilliert La Lagune mit Caramel, Schokoladentönen, Butter und dramatisch viel Süsse. Eine neue Kaufempfehlung! Château Ducru-Beaucaillou grinst immer frecher aus dem Glas und beginnt sich von seiner besten Seite zu zeigen. Interessanterweise hält er allen Gängen bis jetzt geschmacklich wie nasal gut stand. Beim 4. Akt wo wir eine Käseauswahl vom Wagen erhalten folgende Weine: Château Belair, Château Canon, Château Ausone. Letztgenannter schleicht sich mit einer sehr erdbeerig, leicht pflaumigen Nase in mein Riechorgan, der Körper ist enorm rahmig und mit schönem Lederduft aber auch leider mit wenig Textur versehen. Canon hat Zapfen und hier irren wir uns nicht, dieser feuchte Tunnel-Geruch ist derart latent im Glas liegend, dass keiner am Tisch weiter vom Canon zu trinken vermag. Als Finish im 5. Akt zu einem Herbsttiramisu mit Sauerrahmeis der Château Rieussec, der Château Lafaurie Peyraguey und der Château d’Yquem. Hier präsentiert sich der Lafaurie Peyraguey mit viel Apfel, Quitte, Honig und Kamillendüften. D’Yquem – wie immer – satt und fett in allen Geschmackslagen, wogegen Rieussec schon fast schlank daherkommt. Und nach all diesem Wein- und Essensgelage bleibt wieder einmal ein glückliches Gefühl im Herzen, einen schönen Abend verbracht zu haben, der die Blutwerte und den Bauchumfang in eine Richtung gedrückt hat, die keinem Arzt oder Fitnesstrainer gefallen würden. So, und zum Schluss noch eine Frage: Es gibt Frauen, die schneiden die Schildchen in neu gekauften Kleidern mit der Kleidergrösse aus ihren Kleidern (z.B. Grösse 40). Und dann nähen sie Schildchen mit der Grösse 36 rein. Eine Ex Partnerin von mir machte das auch, aber nicht wegen der Kleidergrösse. Preisfrage (Gewinn = eine Flasche 2003 Château Léoville Poyferré): Wieso machte sie das? Antworten an: chateaumargaux@hispeed.ch
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Arabesque 1968 / Imaginary Landscape 1969 / Green Halo 1970 & Untitled 1956
Immer schön den Zimmerschlüssel auf den Tisch legen. Sonst wird man im Danieli ein wenig anders bedient
Kennen Sie das Hotel Danieli in Venedig? Nein? Dann sollten Sie da mal Essen gehen: http://danieli.hotelinvenice.com/?source=googleh. Das Problem dabei: Sie müssen im Hotel als Gast registriert sein, sonst stimmt’s mit dem Service im Terrassenrestaurant des Hotels nicht. Das fiel mir auf, als ich den Zimmerschlüssel auf den Tisch im dortigen Restaurant legte. Am Nebentisch waren Leute, die nicht im Hotel übernachteten und die wurden um einiges weniger freundlich „abgefertigt“ als wir. Das gleiche Essen haben sie wohl erhalten, aber eben: Mit dem Service waren noch Wünsche am Nebentisch offen geblieben. Wir entschliessen uns, dass Gottlieb Tasting Menu zu nehmen, welches aus den 4 oben im Titel erwähnten Gängen besteht. Als Starter serviert man uns ein Fisch- und Gemüsearrangement an einer Limettensauce, dazu Ricottabällchen und einer im Sesamteig gekochten Jakobsmuschel mit knuspriger Polenta (Menue Arabesque 1968). Dazu bestelle ich einen 2007er strohtonfarbenen Soave Classico 2007 von Gini. Eine delikat, feinfruchtig-klassische Persönlichkeit, ein Wein der nicht auf zu hohen Hacken herumstolziert, sein flammender Garganegaduft lässt die Trink-Sucht-Gefahr latent hoch ansteigen! Zum Hummer mit dem aromatischen Tomatenkompott und einer Fenchelsuppe und Kartoffeln (Imaginary Landscape 1969) passt dieser Soave ebenfalls bestens. Im Dritten Gang wird schwarzes Kuttelfischrisotto mit Safran und Büffelmozarella an einer Basilikumsauce serviert. Auch hier stimmt es mit der Soavekomposition. Als Finish kriegen wir ein Schokoladenmousse-Trio, welches mit ingwerparfümierter Sambirano-, Apurimac- und weisser Schokolade auf einem Erdbeerenkompott serviert wird. Hier kann ich nicht sagen, ob der Soave dazu passt und zwar aus dem einfachen Grund, weil die Flasche bereits leer getrunken ist. Also bestelle ich mir meinen obligaten Verdauungs-Hennessy und lasse den Abend mit diesem Dessert (Untitled 1959) und dem Cognac ausklingen. Und was hat das alles gekostet? Nicht sonderlich viel, wenn ich es mit den Preisen in den Restaurants um den Markusplatz vergleiche. Dort haben wir z.B. für ein Trüffelrisotto, welches zu wässrig war und eine Flasche Wein - bei einem Kellner, der verwirrt im Restaurant herumsteuerte und aussah wie George Clooney – CHF 260.-- bezahlt. Im Danieli haben wir „nur“ 230.-- CHF hinblättern müssen. Aber eben da kommt das eingangs geschilderte Problem. Man kann im Danieli essen, aber der Service stimmt nicht, wenn man nicht den Hotelschlüssel auf den Tisch legt. Am nächsten Tag begeben wir uns zwecks Mittagessen in die Osteria al Pesador (www.alpesador.it). Die Osteria befindet sich in einem schlanken Gebäude und hat zwei gegenüberliegende Eingänge. Und einer dieser Eingangstüren steht offen, was mein Pendant dazu veranlasste, diese Türe zu schliessen. Und bei dieser Schliesshandlung reisst meine Partnerin (zum Auffallen?) den Türgriff aus deren Verankerung. Diskret setzt dann Spatz die Türklinke wieder in die Halterung ein und meint: „Typisch Italie, da kait au alles us de Halterige!“ Das soll jetzt aber keine Rückschlüsse auf die Qualität des Essens in dieser Osteria zulassen. Ich ass ein – etwas zu dickes - Rindscarpaccio und hernach eine hausgemachte Lasagne. Und beides hatte es sich in sich! Auch der Wein zauberte bei mir eine verklärte Stimmung herbei, ein simpler Hauswen (Merlot) aus der Umgebung von Venedig. Super gekocht und perfekt hergerichtetes Essen, absolut vom Feinsten, sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Zum Finish trinke ich dann diverse Grappe, wobei mir ultimativ das „G&G“ in den Sinn kommt. „G&G“ steht hier aber nicht für die allabendlich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlte Sendung „Glanz & Gloria“ sondern für „Gut & Günstig“. Bezahlt habe ich für ein sehr gutes Essen inklusive 4 Grappe CHF 120.--. Fazit: Weitersagen oder selbst hingehen!
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Das Problem von Weinetiketten und den Sklaven von Markenweinen
Wissen Sie was das Problem an einer Weinetikette ist? Sie umschreibt, wer den Wein produziert hat und was für ein Wein sich in der Flasche befindet. Und das führt beim Menschen in der Regel dazu, dass er in gewissen Punkten voreingenommen ist, weil auf dem Label ein Name prangt, den er einmal gehört hat oder er den Wein schon einmal getrunken hat. Oder die Sklaven von Markenweinen: So ging zum Beispiel letzthin ein 1896 Château Lafite Rothschild für 233'000 Dollar über den Ladentisch. Gekauft von einem Hongkong Chinesen mit mehr Geld auf dem Konto als Hirmasse im Kopf. Das sind die typischen Sklaven von Markenweinen oder statussuchende Weintrinker, die mit ziemlicher Sicherheit von Wein nicht viel verstehen. Heute sind wir in Wallisellen zu einer Verkostung von chilenischen Weinen eingeladen, welche uns von Pablo Weiss von der Weinhandlung Andina präsentiert werden. Und damit nicht das passiert, was ich im ersten Absatz geschrieben habe, verkosten wir 11 chilenische Weine verdeckt. Der Schlüssel, welches welcher Wein ist, wurde uns am Schluss übergeben und sogar die anderen Degustatoren waren überrascht, dass ein teurer Wein für CHF 117.-- (Almaviva 2005 von Concha Y Toro & Rothschild) – wenn man die Etikette eben nicht sieht – nicht besser abschneidet als ein Wein für CHF 25.-- (Max Reserva 2007 von der Vina Errazuriz).
Meine Tasting Notes:
Flasche 1: Cassis, dunkle Beeren, leicht pfeffrig, laktisch, schöner Druck am Gaumen, hat das Zeug alt zu werden! Rauchige Note (kaltes Chemie), mineralisch, Holz: Vanille und Zedernanflug, weiche, gute Tanninstruktur Skalierung: 9/10 (Wein: Sena 2006 / von der Kooperation Chadwick & Mondavi, Preis: 85.--) Flasche 2: Körper / Kraft: reife, feine Tannine, fantastische Vanilleunterlegung, fleischig, viel Druck am Gaumen, dunkler Beerenstich, leichte Bordeauxtendenz (Paulliac Assoziation), Tabak. Grüner Paprikaton, mein Lieblingswein aus Chile, den ich verdeckt auf Anhieb erkenne. Skalierung: 10/10 (Wein: Almaviva 2005 von Concha Y Toro & Rothschild, Preis: 117.--) Flasche 3: Bukett: unreif, braucht noch seine Zeit, um auf den Punkt zu kommen, kein Verschnitt, ein reinrassiger Cabernet Sauvignon. Baccararosen, Rindsfiletanflug, Schwarzbrot. Etwas zu strenge Säure, leicht adstringierend, freche jugendliche Tannine. Dieser Wein braucht noch sehr viel Zeit, wird aber zu einer Prinzessin werden! Skalierung: 8.5/10 (Wein: Segu 2001 von Vina Segu, Preis: CHF 25.--) Flasche 4: Schert in der Nase aus im Vergleich zu den anderen, sehr verhalten. Schönes altes Leder vom Rosssattel, aber auch mit einer belegten Note, es fehlt im die Weichheit, harte, unausgewogene Tanine, Säure missfällt hier. Mein Fazit: Der Wein ist ein ideales Geschenk für jemanden, der Weinflaschen nicht im Keller für später lagert, sondern diese im Wohnzimmer ungeöffnet in die Vitrine stellt. Skalierung: 7/10 (Wein: Manso de Velasco 2006, Vina Torres, Preis: CHF 45.50) Flasche 5: Farbe: Erdbeerenkompott, marmeladig, leicht fettig, gut ausbalanciert, dürfte am Gaumen etwas mehr Druck machen. Eine freche kleine Maus, die frisch im Schritt herumgeht, schön im Holz verarbeitet. In ca. 4 Jahren auf dem Punkt und dann geht die Party ab! Skalierung: 9.5/10 (Wein: Montes Alpha 2007, Vina Montes, Preis: CHF 25.50) Flasche 6: Es gibt einen Film, der heisst: „Doktor Mabuse ,der Mann mit den tausend Gesichtern“. Bei der Verkostung dieses Weines sage ich: „Flasche 6, der Wein mit den hundert Gesichtern!“ Wirkt im Anfang in der Nase etwas störend, kalter Zigarrenrauch, dann dreht er in eine völlig andere Richtung, schönes waldiges Bukett, dann Blutorange im Glas, schöner weicher Lederton, Harmonie pur, in Sachen Ausgewogenheit für mich bisher der Beste. Und plötzlich Pfefferminze zeigend (Sportmint Bonbon). Dann wieder milder Waldduft mit moosigem Finale. Leider mit kurzem Abgang. Skalierung: 9/10 (Wein: Casa Real 2005, Vina Santa Rita, CHF 64.--) Flasche 7: Frische Nase (jugendlich frech), herrliche Röstaromatik mit Zedernholz unterlegt, die eher etwas zurückhaltende Harmonie in der Nase und dessen was er im Gaumen (zu alkoholisch) hergibt, steht in einer bestimmten Disbalance zu einander, wirkt burgundisch mit Erdebeerdüften. Es kommt mir hier die letzte WM vom Sommer 2009 in den Sinn: An jener WM hatten wir immer dieses Getröte von diesen südafrikanischen Trompeten in den Ohren. Mich erinnert das hier an das Gebläse und Gelärme von damals. Fazit: Ein Vuvuzela Wein! Skalierung: 7 / 10 (ich muss ihn ein anderes Mal nochmals Verkosten) (Wein: Don Maximiano 2007, Vina Errazuriz, Preis CHF 58.50) Flasche 8: Gewöhnungsbedürftiger Auftakt, weiche Tannine, guter Tischwein (Betonung auf Tischwein!) mit breitem Finish, schönes Toasting. Lagerpotential ist da, mir fehlt hier ein wenig die Fülle in allem. Und interessanterweise ist dies ein Wein, der vom gleichen Weingut kommt, wie Wein Nummer 2, was ich den anderen Teilnehmern kommuniziere. Darüber sind dann einige etwas überrascht, dass Bünzli das weiss. Für mich aber ein klarer Fall. Terroirbetrachtet und von der ganzen Parfümierung her ist das hier ein Wein vom Weingut Concha Y Toro & Rothschild). Skalierung: 8/10 (Wein: Don Melchor 2006, Vina Concha Y Toro & Rothschild, Preis: CHF 68.--) Flasche 9: Das erste was meine Partnerin hier von sich prustet, als sie den Wein in der Nase hat: „Dä stinkt wie en Stall!“. Er hat in der Tat etwas stallisches, auch leicht animalische Töne dominieren, leicht muffig-modrig, aber mit einer schönen Bordeauxaromatik. Vielleicht ist es aber genau das, was hier zu den eher lieblich weichen vorgängig getrunken Weinen von meinem Pendant als störend empfunden wird. Mir gefällt der Wein sehr gut, eben weil er mich ein wenig ans Bordeaux erinnert. Skalierung: 9/10 (Wein: Aliara 2001, Vina Odfjell, Preis: CHF 38.--) Flasche 10: Ich vermisse hier die generelle Weichheit und das liebliche, welches ein Wein haben kann, definitiv für mich kein Kuschelwein. Leider schlägt hier die Säure im Gaumen hart auf mit zu wenig Frucht. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Skalierung: 7/10 (Wein: Antis 2005, Vina W. Fèvre, Preis: CHF 39.--) Flasche 11: Als ich auf das Weinbeurteilungsblatt meiner Partnerin schiele, um zu schauen, was dort so alles steht, lese ich folgendes: Farbe: SUPER / Bukett: SUPER / Körper: SUPER / Geschmack: SUPER / Note (1-10): 12 von 10 Punkten! Das überrascht mich ehrlich gesagt nicht, denn es ist ihr Lieblingswein aus Chile. Auch bei mir wird hier die volle Punktzahl gegeben. Und erkennen tue ich ihn auch, ein Wein vom Gut Errazuriz. Und wieso vergibt meine bessere Hälfte mehr Punkte (12) als man eigentlich geben könnte (10)? Weil hier die Carménèretraube im Glas ist und darauf fährt sie ab, weil diese Traubensorte tanninarme, dunkle, süffige, nach Schokolade-, Tabak- und Lederaromen schmeckende Rotweine mit einem angenehmen Beerenaroma hervorbringen. Skalierung: 10/10 (Wein: Max Reserva 2007, Vina Errazuriz, Preis: CHF 25.--)
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Verhalten Gas geben ist, was diese Wein auszeichnen. Mit Blaulicht rumfahren wäre besser!
Daniel Pulver hat uns heute zu einem „Wine & Dine“ von ANAV der Sektion Ufenau eingeladen. Sie fragen sich jetzt sicherlich, was ANAV heisst? Die Antwort: ASSOCIATION NATIONALE SUISSE DES AMIS DU VIN, zu deutsch: Die Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde. Unter dem Motto des geselligen Zusammenseins steht auch das Motto Weine mit ihrem organoleptischen Reichtum zu erfassen und eben auch zu verkosten. Und diese Weinfreunde treffen sich regelmässig zu oben erwähnten Essen und verkosten dabei unter der Leitung eines Kenners eben viele Weine. Heute ist es Edi Vuilleumier, welcher mit seinem enormen Weinwissen der Zuhörerschaft viele neue Erkenntnisse aus dem Weinanbaugebiet Venetien vermittelt. Wir erhalten als Apero ein Bruschetta mit Tomaten sowie Crostini mit geräuchertem Mozzarella, dazu wird der 2009 Prosecco di Valdobbia dene Brut von Follador serviert. Nase: fruchtiger Obstgartenton mit Birnen und Pfirsich, im Gaumen breite Säure und vollem Körper. Eventuell müsste man hier einmal einen Panetone von Savardi aus Meilen daneben stellen und schauen, wie sich die Grelatraube verhält: www.savardivini.ch Dann der Starter: Zürichsee-Fischsüppchen, dazu den 2009er Lugana San Benedetto DOC von Zenato und der 2009er Soave Classico DOC von Tamellini. Mit Lugana kann ich gar nichts anfangen, die Struktur des Weines wirkt in sich schief und etwas brüchig, grüner Apfel, braune Banane, laktisch. Keine Benotung. Anders beim Soave, wo man Grapefruit mit leicht cremigem Karamell und nussigen Noten (Mandeln) im Wein hat. 18/20 Punkte, Preis CHF 16.95 Beim Tessiner Risotto mit Schweizer Waldpilzen kommt ein 2009er Bardolino DOC von Bolla sowie ein 2007er Valpolicella Classico von Zenato auf den Tisch. Beim Bardolino strömt Hinterschinken, Johannisbeeren, Kirsche aus dem Glas, leider ein bitterer Abgang. Schwierig hier Punkte zu vergeben, also mache ich das auch nicht. Preis CHF 10.85 BeimValpolicella leichter Pfefferton, Sultaninen, Champignonnase, Pferd, Brombeeren, Stall, Leder mit weichen fast mürben Tanninen, viel Substrakt. 18/20 Punkte, Preis CHF 16.90 Zum Kalbsbraten – dessen Fleisch fasrig war! - mit Cavalo Nero gibt’s einen 2006er Ripasso della Valpolicella DOC von Bosan Cesari und einen 2006er Ripasso della Valpolicella DOC von La Corte del Pozzo. Menschen die mich etwas besser kennen, wissen, dass ich hier eigentlich keine Kommentare abgebe, da einer der beiden mein aktueller Hauswein ist. Wir erleben ja im Moment die Zeit, wo alles dem Ripasso hinter her rennt, wie damals im Milleniumsjahr alles und alle dem Amarone nachrannten. Daher habe ich logischerweise - um „in“ zu sein - in meinem Keller auch einige Flaschen Ripasso rumliegen. Mein Hauswein ist der Bosan Cesari, ohne mit der Weinwimper zu zucken: 20 von 20 Punkten – wenn überrascht’s – Preis CHF 20.-- Zum Ripasso von La Corte del Pozzo folgendes: alkoholischer Auftakt, wenig Frucht, für einen Ripasso etwas magersüchtig daherkommend, kein Schreinerwein (es fehlt ein gutes Holzmanagement). 16/20 Punkte, Preis: CHF 24.50 Als nächstes stellt uns das Servicepersonal ein Brasato di Manzo mit roter Tessiner Polenta hin, ich derweil mir schon den Ranzen massieren muss ob derart viel Essen. Also heisst die Devise ab jetzt: Weniger Essen, dafür mehr trinken! Wir kriegen den 2006er Amarone della Valpolicella DOC von San Antonio und den 2004er Amarone della Valpolicella von Masi. Zu letzterem kann ich nur sagen: Das erste Mal getrunken 1999 in St. Gallen in einer Weinbar. Schon damals sehr verhalten mit bescheidener Kommunikation zum Konsumierenden. Völlig überzüchtet, kalter Chemineerauch, schokoladig mit Sauerkirschen im Finish. Ein Blufferwein wie es im Buche steht. Konnte und kann auch heute nichts mit diesem Masigetränk anfangen. Keine Punktierung. Preis: CHF 38.-- Beim San Antonio wenig Frucht, klassische Amarone-Nase, Wildlederton, leicht rauchig. die Genusshöhe ist hier für mich teilweise überschritten, dafür mit süssem weichem Tannin. Punkte gibt’s 18 von 20, kosten tut er CHF 49.50 und in meinen Keller wandern wird er nicht. Zum Dessert - meine Trommel ist noch runder geworden - Panna Cotta, Marroni Cantuccini mit Bitterschokoladen. Dazu der 2006er Recioto din Soave DOCG von San Zeno und ein Recioto della Valpolicella Classico von Accordini. Beim ersten Recioto viel Mandeln, nasse Wäsche, dicke kompakte Rüeblitorte (ohne Marzipanrüebli drauf) mit schlankem Körper und langem Finish. Der zweite Recioto präsentiert Hagebutten, Efeu-Ton mit Orangenschalen und kommt viel zu süss daher. Preis Wein 1: CHF 36 (die Halbliterflasche) Punkte 18/20, der zweite kostet CHF 39.50 und kriegt 17 von 20 Punkten. Fazit eines Abends im Rathaus von Rapperswil-Jona: Das Essen war gut, die Weine waren besser, das Beste aber waren die Ramazottis, welche ich hernach in der Corso-Bar in der Altstadt geschlürft habe. Und wer jetzt noch nicht genug "Italien" hatte, der darf sich folgenden Link zu Gemüte führen:
http://www.youtube.com/watch?v=KK-qFN3i2S8
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