Chateau Duvivier 1999 (Korrigenda)
Vor ca. 2 Jahren beschrieb ich diesen Wein bereits einmal. Damals war bei mir die Rede von Elefanten und: „Wer's animalisch mag, sollte es riskieren!" Dar guten Ordnung halber, hier erneut die damalige Beschreibung:
Wie kommt ein Elefant nach Château Duvivier?
Samstagabend, ich öffne einen nach biologischen Kriterien produzierten Wein um Var von Antoine Kaufmann. Ein Blend aus Cabernet Sauvignon, Syrah und Carignan (Les Hirondelles 1999).
Bereits beim Umleeren in die Karaffe zieht es mir die Augenbrauen hoch, fühle mich in den Zürcher Zoo versetzt. In der Nase eine animalische Begrüssung (woher kommt dieses elefantöse Bouquet?), gefolgt von Moos, Blaubeeren, feinsandigem Fluss. Nach einiger Zeit verflüchtigt sich das Rüsseltier, um dann aus der Savanne zurückkehrend wieder im Glas aufzutauchen.
In der Struktur leicht dominierendes Tannin, dafür kräftig im Zug, auf der Zunge pelziger Restbestand. Im Abgang trötet mir der Elefant wieder entgegen. Potential: ca. 5 Jahre Ich ass zum Wein Schweinsplätzli an einer Thymian-/Knoblauchsauce, welche mit 2 dl Les Hirondelles verfeinert wurde.
Conclusio:
Wer es animalisch mag, sollte es riskieren. Oder etwas pathetischer formuliert: Feel the elements with piggy and the elephants!
Heute schreibe ich:
„Wer's romantisch mag, feel the elements with Duvivier and good friends!"
Nase: Zedernholz, Eiche, Harz, Schuss Erdbeeren, flankiert und unterlegt mit Waldbeeren, pferdig Leder, frech bezüglich nasalem Alter, verblühende Rosendüfte. Im Gaumen erotisches Säurespiel, viel Biss, fleischig mit wuchtigem Abgang.
Dispositiv: Noch „in line" mit der damaligen Beschreibung (der Wein hat 3 Jahre Flaschenreifung hinter sich), aber wenn's darum ginge den Wein anhand der damaligen Tasting Note zu erkennen, dann hätte ich ein ziemliches Problem.
Santagostino Firriato 2001
Es ist wieder einmal so weit. Einer meiner Arbeitskollegen drückt mir 2 Tage vor meinem 33. Geburtstag einen sizilianischen Wein - mit einem nicht genau definierbaren Siegerlächeln - in die Hand und meint: "Probier mal den und schick mir Deine Tasting Note!" Als ich nachfrage, was das denn für ein Wein sei (das Siegerlächeln hat sich verstärkt), meint mein vis-à-vis: "Mein Hauswein"
Gut, der Mann will eine Hardcore Analyse haben? Soll er sie kriegen! Nase: Schokodüfte (hellbraune Schokolade); Noisette; oppulente, ausladende Rauchkomponenten - derart ausladend, dass nicht einmal Rubens so etwas mit seinem Pinsel auf ein Bild gebracht hätte.
Nun die Frage, welche Fässer hier verwendet wurden. Hier liegt der Wurm drin! Ich tippe auf amerikanisches Barrique (Zedernholz), weil der typische Vanilletouch fehlt, welcher durch die französische Eiche in den Wein "reingeschwängert" wird. Ich bin mir aber nicht sicher, durchaus möglich, dass der Wein Touchpoints mit vorerwähntem Holz hatte; die Frage ist: Wie lange? Desweiteren: Ständig dieser Beerenduft, ich pendle zwischen Brombeeren und Himbeeren, was aber durch das ständige, zedernholzmässige Reinschwappen des Fasses erschwert wird. Dispositiv, der Wein hatte nun 30 Minuten Zeit, sich mir zu präsentieren: Brombeeren.
Gaumen: Bombastische Adstringenz, ein Wucht, kein Vergleich, interessant auch der Nachhall...
Preis-Leistungsverhältnis:
Viele dieser überteuerten (Super) Italians habe ich verkostet und muss klar festhalten, dass viele dieser Weine zu teuer daher kommen. Hier haben wir einen Wein, welchen ich mit ca. CHF 20 veranschlagen würde. Sollte er sich in der Weinszene einen Namen machen, dann leveraged sich der Preis entsprechend hoch, das Potenzial gegen gewisse, vorerwähnter Weine anzutreten hat er jedenfalls. Abschliessend folgendes: Sollte Dein Vater Kai noch mehr von diesem Wein in die Schweiz bringen, lass es mich wissen und wir werden ganz dicke Kumpels!